Tiya

Tiya (amharisch ጢያ) ist eine Stadt in Äthiopien mit 5.464 Einwohnern (Stand 2023), rund 80 km südlich von Addis Abeba an der Straße nach Butajira. S

Tiya
Tiya
ጢያ

Stelen in Tiya
Staat: Athiopien Äthiopien
Region: Zentraläthiopien
Koordinaten: 8° 26′ N, 38° 37′ OKoordinaten: 8° 26′ N, 38° 37′ O
Höhe: 2.320 Meter ü.d.M.
 
Einwohner: 5.464 (2023)
Zeitzone: EAT (UTC+3)
Tiya (Äthiopien)
Tiya (Äthiopien)
Tiya

Tiya (amharisch ጢያ) ist eine Stadt in Äthiopien mit 5.464 Einwohnern (Stand 2023), rund 80 km südlich von Addis Abeba an der Straße nach Butajira. Sie liegt im Gebiet der Soddo-Gurage in der Woreda Sodo in der Ost-Gurage-Zone der Region Zentraläthiopien auf einer Höhe von etwa 2.320 Metern[1]. Bekannt ist der Ort für das nahegelegene Stelenfeld mit 32 gravierten Stelen aus dem 10. bis 15. Jahrhundert, das seit 1980 Teil des UNESCO-Welterbes ist.[2]

Stelen von Tiya

Stele mit Schwert-Gravuren
Tiya
UNESCO-Welterbe

Vertragsstaat(en): Athiopien Äthiopien
Typ: Kultur
Kriterien: (i)(iv)
Referenz-Nr.: 12

UNESCO-Region: Afrika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1980  (Sitzung 4)

Bei Tiya befindet sich eine er wichtigsten der bislang rund 160 entdeckten archäologischen Stätten im Soddo-Gebiet.[2] Das Stelenfeld liegt rund 400 m östlich des Ortskerns auf dem Kondaltiti-Massiv in etwa 2.400 m Höhe.[3.1] Die Stätte besteht aus 36 Einzelmonumenten, darunter 32 steinerne Stelen, die mit größtenteils unentschlüsselten Symbolen – insbesondere Schwertern – graviert sind.[2] Die Stelen sind bis zu 5 m hoch.[4] Drei von ihnen stehen in kurzem Abstand abseits der Gruppe.[3.2] Die meisten tragen naturalistisch ausgeführte Schwert-Darstellungen, bis zu etwa zwanzig auf einer Stele. Die Stelen standen vor Grabstätten: Bei Ausgrabungen zwischen 1982 und 1992 unter Leitung von Roger Joussaume wurden 44 Gräber freigelegt und Kriegern zugeordnet.[5][4]

Die Monumente sind die Überreste einer alten äthiopischen Kultur, deren Alter bislang nicht genau bestimmt werden konnte. Die UNESCO datiert die Stelen vorsichtig zwischen das 10. und 15. Jahrhundert.[6] Die Grabungsergebnisse grenzen die Schwertstelen auf das 12. bis 13. Jahrhundert ein.[4] Ursprünglich standen auf dem Gräberfeld 46 Stelen.[6]

Seit 1980 ist die Stätte Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.[2] Die Aufnahme begründete die UNESCO mit Kriterium (i) – die Stelen mit ihren halbkugeligen, konischen und teils anthropomorphen Formen seien ein „Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft“ – und mit Kriterium (iv) als besonders repräsentativem Zeugnis der megalithischen Periode Äthiopiens.[3.3]

Erhaltung

Bei der Wiederaufstellung in den 1980er Jahren war fast die Hälfte der Stelen in mehrere Teile zerbrochen. Neun wurden mit Mörtel fixiert und an ihrem ursprünglichen Platz wiedererrichtet. Da der Untergrund zeitweise vernässt, werden die monolithischen Stelen instabil. Systematische Konservierungsarbeiten fanden bislang nicht statt.[3.4] Zum Zeitpunkt der Erhebung 2018 befanden sich die meisten Stelen in fragilem Zustand mit schweren Rissen.[3.5] Zwei Steine wurden zudem von Archäologen zu ihrem Schutz von einem 6 km entfernten Fundplatz hierher versetzt, was die Authentizität der Stätte berührt.[3.4] Bereits 1996 empfahl das Welterbekomitee unter anderem eine Nummerierung der Stelen und eine verbesserte Drainage gegen Überschwemmungen in der Regenzeit und regte an, die Stätte zu einem regionalen Ensemble der Megalithplätze des Soddo-Gebiets zu erweitern.[7]

Bevölkerung

Bei der Volkszählung von 1994 wurden 1.856 Bewohner gezählt, davon waren 59,1 % Oromo, 32,8 % Soddo-Gurage und 4,7 % Amharen. 41,8 % sprachen Soddo als Muttersprache, 36,1 % Oromo und 20,0 % Amharisch.[8] Bei der Volkszählung von 2007 wurden 1.937 Einwohner gezählt.[9] Für Juli 2023 schätzte die äthiopische Statistikbehörde die Einwohnerzahl der Stadt auf 5.464.[10]

Literatur

  • Roger Joussaume (Hrsg.): Tiya – L’Éthiopie des mégalithes. Du biface à l’art rupestre dans la Corne de l’Afrique (= Mémoire - Société de recherches archéologiques de Chauvigny. Band 11). Association des Publications Chauvinoises, Chauvigny 1995, ISBN 2-909165-12-4 (englisch, französisch).
  • Roger Joussaume, Jean-Paul Cros: Mégalithes d’hier et d'aujourd’hui en Éthiopie. Éditions Errance, Arles 2017, ISBN 978-2-87772-601-6 (französisch).
Wikivoyage: Tiya – Reiseführer
Commons: Tiya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Small Town Water Supply Plan. Data 7.3: Small Town Profile of SNNPRS – S-03 Tiya. (PDF; 3,6 MB) Japan International Cooperation Agency, S. 129, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).
  2. a b c d Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
  3. Helebo Elias: Conservation of cultural values of Tiya Stelea and challenges for Sustainable Tourism Development. 2018 (englisch, edu.et [PDF; 2,5 MB; abgerufen am 22. August 2026] Masterarbeit, Addis Ababa University).
    1. S. 2
    2. S. 12
    3. S. 12–13
    4. a b S. 2–3
    5. S. 36
  4. a b c Christian Jeunesse: Rezension zu Roger Joussaume, Jean-Paul Cros: Mégalithes d’hier et d’aujourd’hui en Éthiopie. In: Bulletin de la Société préhistorique française. Band 114, Nr. 2, 2017, S. 393–394 (französisch, prehistoire.org [PDF; 766 kB; abgerufen am 23. August 2026]).
  5. Roger Joussaume: Tiya. Une campagne de fouilles (1982). In: Annales d’Ethiopie. Band 13, Nr. 1, 1985, ISSN 0066-2127, S. 69–84, doi:10.3406/ethio.1985.921 (persee.fr [abgerufen am 22. August 2026]).
  6. a b Tiya – Prehistoric site. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).
  7. State of Conservation (SOC 1996) Tiya (Ethiopia). UNESCO World Heritage Centre, 1996, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).
  8. Central Statistical Agency: The 1994 Population and Housing Census of Ethiopia: Results for Southern Nations, Nationalities and Peoples’ Region, Volume I: Part I. Statistical Report on Population Size and Characteristics. Addis Abeba 1998, S. 150, 192 (englisch, archive.org [PDF; 87,4 MB; abgerufen am 22. August 2026]).
  9. Central Statistical Agency: Population and Housing Census 2007 Report, SNNPR, Part I: Population Size and Characteristics. Addis Abeba 2010, Table 2.2: Population of Towns by Sex, S. 11 (englisch, archive.org [PDF; 5,1 MB; abgerufen am 22. August 2026]).
  10. Population Size of Towns by Sex, Region, Zone and Weredas as of July 2023. (PDF; 426 kB) Ethiopian Statistics Services, Juli 2023, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).

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