Crag Group

Die Crag Group ist eine geologische Gruppe, die im Verlauf des späten Pliozäns und des Pleistozäns in East Anglia sedimentiert worden war.

Crag Group

Die Crag Group ist eine geologische Gruppe, die im Verlauf des späten Pliozäns und des Pleistozäns in East Anglia sedimentiert worden war.

Etymologie

Die Red Crag Formation im Kliff von Bawdsey (Suffolk)

Das Englische crag wurde im geologischen Kontext erstmals im Jahr 1823 von R. C. Taylor benutzt. In Suffolk bezeichnet dieses Wort gewöhnlich einen muschelreichen Sand oder Schotter.[1]

Das miitelenglische Wort crag des 13. Jahrhunderts leitet sich ab vom Mittelirischen crec bzw. carrac, was möglicherweise mit dem Proto-Indogermanischen Kar („Stein“, aber auch „hart, rauh“) abgeleitet ist. Verwandt sind auch das Schottische creag und das Walisische carreg. Eine Verbindung besteht auch zum Alt-Armenischen քար (kʻar) und zum Sanskritwort khara – खर oder karkara – कर्कर. Das Altgriechische lautet κάρκαρος (kárkaros).

Einführung

Während des frühen Neogens wurde East Anglia überflutet und so zum Bestandteil des Nordseebeckens. An dessen Rändern drainierte ein System mehrerer progradierender Deltas.[2] Ihr Sedimentationsgebiet lag am westlichen Rand dieses recht rasch einsinkenden Beckens, dessen Geometrie in etwa den heutigen Verhältnissen glich.[3] Die Formationen der Crag Group in East Anglia sind aus tidalen und subtidalen Sedimenten innerhalb dieses Beckens entstanden. Insgesamt übersteigt ihre Gesamtmächtigkeit keine 70 Meter – verglichen mit 350 Meter äquivalenter Sedimente im südlichen Nordseebecken und 800 Meter im zentralen Nordseebecken.[2] Dies lässt sich vorwiegend durch ein Ausdünnen der einzelnen Formationen gegen den Beckenrand erklären, teilweise aber auch durch Erosion unterhalb von Diskordanzen innerhalb der Abfolge.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Crag Group (Cg auf geologischen Karten und CRAG als Informatikküzel) reicht von East Anglia bis nach Hertfordshire im Südwesten. Die Gruppe erstreckt sich aber auch in den anliegenden marinen Küstenbereich der südwestlichen Nordsee.

Lithologie

Lithologisch baut sich die klastische, flachmarine Crag Group aus einer Bandbreite von marinen und ästuarinen Sedimenten auf. Dies sind vorwiegend Sande, Geröllschotter, Silte, Tone und auch Kalkarenite, die in einer relativ seichten Bucht am Westrand des Nordseebeckens unter Gezeiteneinwirkung abgelagert wurden. Die Sande sind charakteristischerweise aufgrund ihres Glaukonitgehalts dunkelgrün gefärbt, im verwitterten Zustand jedoch tieforange mit Eisenkrusten aus Hämatit.

Stratigraphie

Die Coralline Crag Formation in Suffolk (mit Schrägschichtung)

Stratigraphisch bildet die Crag Group einen Teil der Great Britain Superficial Deposits Supergroup (abgekürzt GBG).

Sie liegt mittels einer scharfen Diskordanz auf der Chalk Group der Oberkreide und ebenfalls diskordant auf der London Clay Formation des frühen Eozäns. Überlagert wird die insgesamt bis zu 70 Meter mächtige Gruppe von der Dunwich Group, von der Albion Glacigenic Group und von der Britannia Catchments Group oder der British Coastal Deposits Group. Die Gruppe ist vorwiegend marinen Ursprungs und kann sich auch mit der rein fluviatilen Dunwich Group verzahnen – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal. Von der Albion Glacigenic Group wiederum unterscheidet sie sich durch das Fehlen nordbritischer Erratika.

Die Norwich Crag Formation bei Covehithe in Suffolk

Die Crag Group besteht aus vier Formationen (vom Hangenden zum Liegenden):

Die Lithologie des unteren Abschnitts der Crag Gruppe (Coralline Crag Formation) besteht fast ausschließlich aus Flint (die maximal 25 Meter mächtige Coralline Crag Formation tritt nur östlich von Chillesford, nordöstlich von Ipswich, in Erscheinung). Die Red Crag Formation besitzt eine variable Mächtigkeit von 10 bis 40 Meter. Die nur schlecht sortierte Formation zeigt flach-marinen Charakter. Die Norwich Crag Formation ist voll marin (mit ästuarinen Tonen), zeigt eine gute Sortierung und kann bis 70 Meter an Mächtigkeit erreichen. Die zirka 20 Meter mächtige Wroxham Crag Formation im Hangenden enthält mehr als 10 % an ortsfremden Lithologien – darunter Quarzit und Gangquarz aus den Midlands, Magmatite aus Wales und Chert aus dem Upper Greensand mit Provenanz aus Südostengland. Diese exotischen Gesteine wurden von Flüssen wie dem Bytham River und der Proto-Themse herantransportiert.

Die sedimentäre Abfolge ist unvollständig, was zu Schwierigkeiten bei Korrelation und Altersdatierung führen kann.[4]

Alter

Die Wroxham Crag Formation bei Weybourne unter Ebbe-Bedingungen. Im Liegenden des Kliffs sind weiße Kreidefelsen anstehend.

Die Crag Group überdeckt in etwa den Zeitraum 4,4 bis 0,478 Millionen Jahre (Oberes Pliozän bis Alt- und Mittelpleistozän).[5][6]

Die Coralline Crag Formation besitzt ein oberpliozänes Alter, das noch vor MIS 103 zu liegen kommt, d. h. noch vor 2,58 Millionen Jahre vor heute. Die Red Crag Formation beginnt mit MIS 103 am Übergang vom Piacenzium zum Gelasium (gleichbedeutend mit der Matuyama-Gauss-Umkehr) und endet mit MIS 82 am Réunion-Ereignis vor 2,14 Millionen Jahren vor heute. Die Norwich Crag Formation reicht sodann von MIS 81 bis MIS 68 vor 1,86 Millionen Jahre vor heute gegen Ende des Gelasiums (inmitten des Olduvai-Ereignisses). Die abschließende Wroxham Crag Formation beginnt bei MIS 67 und endet in MIS 17 zu Beginn des Mittelpleistozäns bei 700.000 Jahre vor heute (zu Beginn der momentanen normalen Brunhes-Chron).[7]

Bei den britischen Eiszeitstufen korreliert die Coralline Crag Formation mit dem Waltonium, die Red Crag Formation mit den Stufen Prä-Ludhamium, Ludhamium und Thurnium, die Norwich Crag Formation mit den Stufen Bramertonium/Antium und Prä-Pastonium/Baventium und die Wroxham Crag Formation schließlich mit den Stufen Pastonium und Beestonium.[8]

Literatur

  • D. Q. Bowen: A revised correlation of Quaternary deposits in the British Isles. In: Special Report of the Geological Society of London. No. 23, 1999.
  • Philip L. Gibbard und Jan A. Zalasiewicz: The Pliocene-Middle Pleistocene of East Anglia, Field Guide. Quaternary Research Association, Cambridge 1988.
  • A. A. McMillan, Richard J. O. Hamblin und J. W. Merritt: A lithostratigraphical framework for onshore Quaternary and Neogene (Tertiary) superficial deposits of Great Britain and the Isle of Man. In: British Geological Survey Research Report. RR/10/03, 2011, S. 343 ([2] [PDF]).
  • James Rose, Brian S. P. Moorlock und Richard J. O. Hamblin: Pre-Anglian fluvial and coastal deposits in Eastern England: lithostratigraphy and palaeoenvironments. In: Quaternary International. Band 79, 2001, S. 5–22.

Einzelnachweise

  1. H. B. Woodward: The Geology of the Country around Norwich. In: Memoirs of the Geological Survey of the United Kingdom. 1881, S. 32.
  2. a b T. D. J. Cameron, A. Crosby, P. S. Balson, D. H. Jeffery, G. K. Lott, J. Bulat und D. J. Harrison: United Kingdom Offshore Regional Report: the geology of the southern North Sea. HMSO for the British Geological survey, London 1992.
  3. R. Anderton, P. H. Bridges, M. R. Leeder und B. W. Sellwood: A dynamic stratigraphy of the British Isles. George Allen and Unwin, London 1979.
  4. a b Jonathan R. Lee, M. A. Woods und Brian S. P. Moorlock: British Regional Geology: East Anglia (5th Edition). British Geological Survey, 2015, S. 111.
  5. M. J. Head: Marine environmental change in the Pliocene and early Pleistocene of eastern England: the dinoflagellate evidence reviewed. In: T. van Kolfschoten und P. L. Gibbard, The Dawn of the Quaternary (Hrsg.): proceedings of the SEQS-EuroMam Symposium. Netherlands Institute of Applied Geoscience, Kerkrade 1998, ISBN 90-72869-61-3.
  6. Stephen J. Mathers und Richard J. O. Hamblin: Late Pliocene and Pleistocene Marine Deposits. In: Jonathan R. Lee, M. A. Woods und Brian S. P. Moorlock (Hrsg.): British Regional Geology: East Anglia (5th Edition). British Geological Survey, 2015, ISBN 978-0-85272-823-9.
  7. A. A. McMillan, Richard J. O. Hamblin und J. W. Merritt: A lithostratigraphical framework for onshore Quaternary and Neogene (Tertiary) superficial deposits of Great Britain and the Isle of Man. In: British Geological Survey Research Report. RR/10/03, 2011, S. 343 ([1] [PDF]).
  8. Philip L. Gibbard und K. M. Cohen: Global chronostratigraphical correlation table for the last 2.7 million years. In: Episodes. Band 31, 2008, S. 243–247.

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