Trillium E

Veröffent-lichung

Trillium E
Studioalbum von Anthony Braxton

Veröffent-
lichung

11. Oktober 2011

Aufnahme

18.–22. März 2010

Label(s)

New Braxton House

Format(e)

CD, Download

Genre(s)

Neue Musik, Neue Improvisationsmusik

Titel (Anzahl)

8

Länge

3:01:03

Besetzung

  • Orchesterleitung, Komposition, Libretto: Anthony Braxton
  • weitere Besetzung siehe Artikel

Produktion

Taylor Ho Bynum, Jon Rosenberg (Aufnahmeproduzent, Ausführende Produzenten – Anthony Braxton, Nick Lloyd, Koproduzenten – Amy Crawford, Kyoko Kitamura)

Studio(s)

Systems Two, Brooklyn (NYC)

Chronologie
Composition No. 19 (For 100 Tubas)
(2011)
Trillium E Ensemble (Pittsburgh) 2008
(2011)

Trillium E (Untertitel Wallingford’s Polarity Gambit – Composition No. 237) ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die vom 18. bis 22. März 2010 im Studio Systems Two in Brooklyn entstandenen Aufnahmen erschienen am 11. Oktober 2011 auf dem Eigenlabel New Braxton House.

Hintergrund

Der Trillium-Zyklus

Trillium E ist die erste Studioaufnahme einer Braxton-Oper und dokumentiert einen Teil von Braxtons fortlaufendem Trillium-Zyklus. Die Box mit vier CDs enthält ein 72-seitiges Booklet mit dem Libretto, Fotos und Essays.

Trillium E ist Teil eines Zyklus miteinander verbundener Opern, der eine große Reihe von einaktigen Werken umfasst, die in verschiedenen Kombinationen aufgeführt wurden. Vor Trillium E wurden drei Opern von Braxton aufgeführt: Trillium A (einaktig), Trillium M (zweiaktig) und Trillium R (Shala Fears for the Poor) (vieraktig). Sowohl Trillium M als auch Trillium R wurden als Live-CDs veröffentlicht (Composition No. 175, Composition No. 126 Trillium-Dialogues M bei Leo Records 2006), wobei Trillium R 1999 vom ersten Eigenlabel Braxtons, „Braxton House“, herausgegeben wurde. Seit 2000 hat Braxton Trillium E und Trillium J, beides vieraktige Werke, fertiggestellt. Zwei Akte aus Trillium J wurden im Oktober 2011 im Roulette während des Tri-Centric Festivals aufgeführt. Jeder Akt ist zur besseren Hörbarkeit in zwei Tracks unterteilt, ist aber zur durchgehenden, ununterbrochenen Wiedergabe konzipiert sind. Seinen Abschluss fand die Reihe mit Trillium X (2025).

Musik und Handlung von Trillium E

Jeder der vier Akte von Trillium E präsentiert eine andere Episode: einen Flaschengeist, die Erfindung des Klonens, interplanetare Raumfahrt und die Erkundung einer Dschungelpyramide.

Braxtons Tri-Centric Orchestra mit mehr als 40 Mitgliedern hat die Aufgabe, „einen unheimlichen, modernistischen Klanghimmel zu erschaffen“, in dem die 12 Sänger ihre Passagen im Rubato vortragen können, schrieb John Garratt. Diese Gesangslinien seien bewusst unregelmäßig, wahrscheinlich um den Interpreten etwas Freiheit zu geben, damit sie Texte wie „die Realität der Prinzipinformationen“ und „das Konzept der Primärinformationen“ einbauen können. Auf der ersten Seite des Begleithefts heißt es, dass dieser spezielle Trillium-Teil der Komponistin alter Gesänge, Hildegard von Bingen, gewidmet ist, obwohl diese Musik viel mehr nach Arnold Schönberg klingt, so Garratt.[1]

Im ersten Akt unternimmt eine Familie einen Strandspaziergang, als sie zufällig auf eine Wunderlampe stößt … und diese versehentlich berührt. Obwohl der daraufhin erscheinende Dschinn einen freundlichen und gewissenhaften Eindruck macht, kann die Familie nicht aufhören, sich die dümmsten Dinge zu wünschen, als sie die Chance auf drei Wünsche erhält. Selbst als ein magisches Wesen erscheint, um ihnen jeden Herzenswunsch zu erfüllen, greifen sie lieber zu Katalogen, um die besten Angebote für Boote zu finden; das Letzte, was sie sich wünschen, sind Baseballkarten. Mehr als einmal liefert sich der Dschinn Wortgefechte mit der Familie und fordert sie auf, ihre Kräfte voll auszuschöpfen, doch sie können es nicht.[1]

Im zweiten Akt wird die Handlung etwas unübersichtlich. Eine Wissenschaftlerin hat eine Methode entwickelt, Dinge in Rekordzeit zu klonen. Sie und ihr Team sind begeistert von ihrer Fähigkeit, leblose Objekte zu replizieren, doch alle sträuben sich gegen die Idee der leitenden Wissenschaftlerin, einen Menschen zu klonen. Schließlich überzeugt sie ihr Team, sie selbst zu klonen – mit Erfolg. Danach verzerrt Braxton, wie schon im gesamten Stück, sein eigenes kleines Raum-Zeit-Kontinuum, um verschiedene Szenen zu fokussieren; alle Beteiligten sind in Liebesdingen unglücklich: Verehrer unterhalten sich über Hüte, vage Anschuldigungen fallen auf dem Jahrmarkt, und ein Polygamist erzählt nach seiner Heimkehr von seinem Arbeitstag. Die leitende Wissenschaftlerin taucht immer wieder in diesen Szenen auf und verschwindet wieder.[1]

Der dritte Akt spielt im Stil von Star Trek: Ein Sternenflottenkapitän beamt mit seinem Außenteam auf einen Planeten und trifft dort auf eine seltsam feindselige Lebensform. Der Kapitän verkündet eine Art oberste Direktive, merkt, dass diese bei den Planetenbewohnern auf taube Ohren stößt, und zieht voreilige Schlüsse. Sein Außenteam folgt ihr bedingungslos und verspottet die außerirdische Rasse, weil sie sich für überlegen hält. Ohne auch nur einen Funken Vertrauen zu schenken, verwandelt der Kapitän seine diplomatische Mission in eine Vernichtungsaktion, indem er die Zerstörung des Planeten befiehlt.[1]

Der Schlussakt ist bis zu diesem Punkt, wie üblich, unklar, so Garratt (Braxton räumt in den einleitenden Liner Notes ein, dass die Zuhörer nicht den gesamten Subtext erfassen müssen). Eine Gruppe von Entdeckern des frühen 20. Jahrhunderts ist auf dem Weg, die Grabkammern eines antiken Königs zu plündern, und verfolgt dabei die wohltätigsten Absichten. Neben dem Komfort, den Reichtum mit sich bringt, versichern sich die Expeditionsteilnehmer, dass sie das Wissen der Welt erweitern, indem sie zukünftige Einnahmen generieren und ihren Nachkommen wertvolle Geschichtslektionen vermitteln. Bevor die Entdecker/Räuber ihren Einbruch wagen, verwundet ein Wächterriese den Expeditionsleiter tödlich. Mit seinem letzten Atemzug spricht er der Gruppe Mut zu und erklärt ihr, warum ihr Vorhaben so wichtig ist und dass sie ohne ihn weitermachen sollen. Doch kaum in den Grabkammern angekommen, erscheint ihnen der Geist des Anführers und gibt viele kryptische und entmutigende Bemerkungen von sich. Jede Motivation, die die anderen für ihre Schatzplünderungen anführen könnten, sei sie sozial verantwortlich oder eitel-verschwenderisch, lehnt er mit einem lapidaren „Auf keinen Fall!“ oder „Lass mich in Ruhe!“ ab. Plötzlich dirigieren Zenturionen die Massen. Die Prophezeiung des Unglücks, das mit der Plünderung des Grabes verbunden ist, scheint sich nicht zu erfüllen, doch ein totalitäres Gesetz tritt in Kraft. Es ist schwer zu sagen, ob diese Ereignisse zusammenhängen, da die Diebe es waren, die vor dem Fluch des Unglücks gewarnt wurden, und doch leben sie zu diesem Zeitpunkt in Saus und Braus.[1]

Titelliste

  • Anthony Braxton: Trillium E (New Braxton House NBH901)[2]
  1. Act 1 – Part 1 25:19
  2. Act 1 – Part 2 23:53
  3. Act 2 – Part 1 20:51
  4. Act 2 – Part 2 22:19
  5. Act 3 – Part 1 26:33
  6. Act 3 – Part 2 21:56
  7. Act 4 – Part 1 21:47
  8. Act 4 – Part 2 18:28

Die Komposition stammt von Anthony Braxton.

Besetzung

Rezeption

Die „Trillium“-Reihe würde [Form der] Oper nutzen, um verschiedene Sketche zu inszenieren, die oberflächlich betrachtet nichts miteinander zu tun haben, um dabei einige sehr subtile Punkte zu verdeutlichen, die in den Begleittexten mit vielen pauschalen philosophischen Begriffen nur am Rande gestreift werden, meint John Garratt (Pop Matters). Herauszufinden, was „Trillium E“ uns sagen will, sei, gelinde gesagt, knifflig. Noch schwieriger sei es, sich vorzustellen, wie es mit dem Ganzen weitergehen werde. Doch Braxton würde auf eine mehr als 40-jährige musikalische Karriere zurückblicken und habe Hunderte von groß angelegten Kompositionen vorzuweisen – „also müssen wir ihm in dieser Sache einfach vertrauen“.[1]

Anthony Braxtons Analyse des „Trillium“-Ansatzes würde ein gewisses Maß an spiritueller Auseinandersetzung beinhalten, so Garratt in deinem Resümee. Wer schon einmal versucht habe, Thomas von Aquin zu lesen, dürfte wissen, dass es erdrückend sein kann, sich mit den religiösen Überzeugungen eines anderen durch herkömmliche Kommunikationsmittel vertraut zu machen. Die vier CDs und das umfangreiche Booklet zu „Trillium E“ würden einen nur bis zu einem gewissen Punkt weiterbringen. Es gebe viele Aspekte der Aufführung, die in diesem Paket verständlicherweise nicht rüberkommen, obwohl Braxton sich große Mühe gebe, seine Vorstellungen zur Bühnenchoreografie und zu den sich wandelnden Bildern auf einer Projektionsfläche, die dazu dienen, das Raum-Zeit-Kontinuum zu verändern, schriftlich festzuhalten. Manche davon seien explizite Anweisungen, andere lediglich Vorschläge. Doch ganz gleich, wie viele Details in der Box enthalten sind – „Trillium E“ dürfte wahrscheinlich live eine größere Wirkung entfalten als auf einem Tonträger; es müsse in einem Aufführungskontext einfach mehr Wirkung entfalten. Dies sei eine Oper mit vielen Figuren, unterschiedlichen Handlungssträngen und tiefgründigen philosophischen Botschaften, die alle von einer düsteren klassischen Kakophonie untermalt werden. Ob man es nun hohe Kunst oder harte Kost nenne – dies sei etwas für Menschen, die es mit ihrem Anthony Braxton todernst meinen.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g John Garratt: Anthony Braxton: Trillium E. In: Pop Matters. 19. April 2012, abgerufen am 16. August 2026 (englisch).
  2. Anthony Braxton – Trillium E. In: Discogs. Abgerufen am 1. August 2026 (englisch).

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