Reinhold Carl war der Sohn des Luckaer Schuhmachers Ferdinand Ludwig Carl und seiner ihm 1866 angetrauten Gattin Johanne Christiane Hönig. Mit 15 Jahren begann er eine Ausbildung zum Buchhändler in Leipzig. Von 1880 bis 1900 arbeitete Reinhold Carl in seinem erlernten Beruf. 1888 heiratete er Anna Laura Thieme (1866–1924). Der Ehe entstammten zwei Töchter und ein Sohn.
Im Alter von 40 Jahren wandte sich Reinhold Carl dem Künstlerberuf zu. Unterstützt durch ein Privatstipendium, studierte er im Jahr 1900 Malerei in Rom. Ab 1904 war er mit ersten Arbeiten in Ausstellungen des Leipziger Kunstvereins vertreten. Von 1904 bis 1905 lebte er wiederum in Rom, dort arbeitete er im Atelier von Artur Volkmann. 1906 kehrte Reinhold Carl nach Leipzig zurück und war fortan freischaffend tätig. Der mit zahlreichen öffentlichen und privaten Aufträgen bedachte Künstler starb in Leipzig. Seine Asche wurde auf dem Südfriedhof beigesetzt.[1]
Kunstschaffen
Beeinflusst von der italienischenFrührenaissance und dem Barock schuf er zunächst im neoklassizistischen Stil Reliefs, Kleinplastiken, Porträtbüsten und Grabmäler. Damit stand Reinhold Carl in der Tradition seiner Vorbilder Adolf von Hildebrand und Artur Volkmann. Später entwickelte er naturalistische Tendenzen und war beispielsweise mit Vitrinenarbeiten an der Ausstattung des Leipziger Künstlerhauses beteiligt. Sein bekanntestes Werk ist der Wettinbrunnen, der zum Wahrzeichen seiner Vaterstadt Lucka wurde. 1911 war er mit drei plastischen Arbeiten auf der Leipziger Jahresausstellung vertreten. Beim Bau des Neuen Rathauses und der Deutschen Bücherei in Leipzig wurde er ebenfalls mit repräsentativen Aufträgen bedacht. Zu seinem Œuvre zählen auch Gemälde, Zeichnungen, Votivtafeln und Radierungen. Seine Kunst zeugt von hoher künstlerischer Ausdruckskraft und Qualität.[2]
Carl, Reinhold. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band5: V–Z. Nachträge: A–G. E. A. Seemann, Leipzig 1961, S.361 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
Susanne Schottke: Carl, Reinhold. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 16, Saur, München u. a. 1997, ISBN 3-598-22756-6, S. 401.
Alfred E. Otto Paul: Der Maler und Bildhauer Reinhold Carl (1864–1929). In: Ders.: Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen. Bd. 6, Leipzig 2016, S. 187–199.
Katrin Löffler, Iris Schöpa, Heidrun Sprinz: Der Leipziger Südfriedhof. Edition Leipzig, Leipzig 2004.
Herwig Guratzsch (Hrsg.): Museum der bildenden Künste Leipzig. Katalog der Bildwerke. Köln 1999.
↑Die Beisetzung erfolgte zunächst in einem Rabattengrab der XVIII. Abteilung. 1955 erfolgte die Umbettung der Urne in das Grab des Vaters seiner Schwiegertochter, Karl Veith (1865–1918). Vgl. Alfred E. Otto Paul, Bd. 6, S. 199.
↑Susanne Schottke: Carl, Reinhold. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 16, Saur, München u. a. 1997, ISBN 3-598-22756-6, S. 401.