Gliptine

Gliptine (auch Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren oder Inkretinverstärker, kurz DPP-4-Inhibitoren oder DPP-4-Hemmer) sind Substanzen, welche den Abbau des Hormo

Gliptine
Gliptine und GLP-1

Gliptine (auch Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren oder Inkretinverstärker, kurz DPP-4-Inhibitoren oder DPP-4-Hemmer) sind Substanzen, welche den Abbau des Hormons Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) durch das Enzym Dipeptidylpeptidase 4 (DPP-4) hemmen. Sie stellen eine Wirkstoffklasse unter den Antidiabetika dar.

Wirksamkeit

Als Antidiabetika senken Gliptine den Blutzucker und den HbA1c-Wert („Langzeit-Blutzucker“). Laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis einer Wirksamkeit von Gliptinen auf patientenrelevante Endpunkte.[1] Gemäß der deutschen Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) zum Typ-2-Diabetes haben Gliptine keinen Einfluss auf Diabetesfolgen wie Mortalität, Tod aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz, Retinopathie, Neuropathie, Amputationen oder Nierenschäden.[2]

Metabolischer Effekt des Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1)

Das Hormon GLP-1 zählt zu den Inkretin-Hormonen. Neben den Inselzellen des Pankreas wird es im oberen Dünndarm, im distalen Ileum und im Kolon gebildet. Bei einer Nahrungsaufnahme steigt sein Spiegel glucoseabhängig an (Inkretin-Effekt) und führt zu einer Senkung der Blutglucose, indem es die Insulinsekretion der Beta-Zellen erhöht und die Glucagonsekretion der Alpha-Zellen des Pankreas drosselt. Des Weiteren kommt es über außerpankreatische Wirkungen zu einer verlangsamten Magenentleerung und zu einer Stimulation des Sättigungsgefühls. Die Aktivität des GLP-1 wird begrenzt durch den Abbau des GLP-1 durch die Dipeptidylpeptidase 4 zu einem inaktiven Metaboliten.[3]

Pharmakologie der Gliptine

Inhibitoren der Dipeptidylpeptidase 4 verhindern den Abbau des Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1), indem sie das abbauende Enzym hemmen. Infolgedessen steigert sich die Insulinausschüttung nur nach Nahrungsaufnahme, da nur dann erhöhte Blutspiegel an GLP-1 existieren. Dieses Wirkprinzip verhindert das Auftreten einer Unterzuckerung. Arzneimittel, die diese Wirkstoffe enthalten, können peroral aufgenommen werden und sind gut verträglich.

Inhibitionsmechanismen

Transition-state-Inhibitoren

Transition-state-Inhibitoren haben derzeit keine therapeutische Bedeutung. Sie unterbrechen den Vorgang der Spaltung des GLP-1 im aktiven Teil des spaltenden Enzyms DPP-4. Während der erste Schritt, die Bildung des Intermediats (eines kurz existenten Zwischenzustands), noch ausgeführt wird, behindert die Raumstruktur dieser Hemmstoffe das weitere Fortschreiten der Spaltung des Substrats.

Einschlussinhibitoren

Das aktive Zentrum der DPP-4 enthält eine hydrophobe Tasche. Dies ist ein Bereich des Enzyms, in dem unpolare, nichtionische Aminosäuren überwiegen. Die Einschlussinhibitoren besitzen einen hydrophoben Molekülteil, der eine ähnliche unpolare Beschaffenheit aufweist, wodurch sie sich in diesem hydrophoben Bereich des aktiven Zentrums aufhalten können. Der Einschlussinhibitor enthält an anderer Stelle des Moleküls eine oder mehrere positiv geladene chemische Gruppen, was das Eindringen in die negativ geladene Umgebung des aktiven Zentrums erleichtert. Die Anwesenheit des Inhibitors im aktiven Zentrum verhindert die Spaltung des GLP-1, indem er den Platz des GLP-1 einnimmt. Dieser Vorgang heißt kompetitive Hemmung. Die Einschlussinhibitoren stellen derzeit die therapeutisch relevante Gruppe dar.

Unerwünschte Wirkungen

Nebenwirkungen

In Kombination mit einem Sulfonylharnstoff können schwere Hypoglykämien auftreten. Dipeptylpeptidase 4 ist an der Wundheilung und Immunwegen beteiligt. Daher wurde postuliert, dass DPP-4-Inhibitoren die Wundheilung beeinträchtigen können. Jedoch zeigen über dreißig Human-, Tier,- und In-vitro-Studien, dass sie netto einen positiven Effekt auf die kutane Heilung haben.[4]

Kontraindikationen

In tierexperimentellen Studien wurden Hinweise auf reproduktionstoxische Effekte gefunden. Deshalb sollten Gliptine nicht in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. Darüber hinaus sind DPP-4-Inhibitoren nicht geeignet für Patienten mit einem Risiko für Pankreatitis.[5]

Arzneistoffe

Literatur

  • Richard Daikeler, Götz Use, Sylke Waibel: Diabetes. Evidenzbasierte Diagnosik und Therapie. 10. Auflage. Kitteltaschenbuch, Sinsheim 2015, ISBN 978-3-00-050903-2, S. 158–160.

Einzelnachweise

  1. Cholezystitis im Zusammenhang mit DPP-4-Inhibitoren (Gliptine) („UAW-News International“). In: Deutsches Ärzteblatt. Band 119, Nr. 41, 14. Oktober 2022 (akdae.de [abgerufen am 23. Oktober 2023]).
  2. S3-Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes, Version 3.0 der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). In: AWMF online (Stand Mai 20235)
  3. W. Siegenthaler, H. E. Blum (Hrsg.): Klinische Pathophysiologie. Thieme, Stuttgart 2006, ISBN 3-13-449609-7, S. 77. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  4. P. Schweikert-Wehner: Bessere Wundheilung bei gut eingestelltem Diabetes. In: Haut. Band XXXVII, Nr. 03/26. WPV GmbH, Juni 2026, ISSN 0938-2216, S. 110–112.
  5. Gliptine Nebenwirkungen In: gelbe-liste.de

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.