Rommerskirchen ist die südlichste Gemeinde im Rhein-Kreis Neuss und im Regierungsbezirk Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen. Durch Rommerskirchen fließt der Gillbach. Er gibt den fruchtbaren Ländereien im Gemeindegebiet auch den Namen „Die Gilbach“. Innerhalb des Kreises hat Rommerskirchen von allen Kommunen die geringste Bevölkerungsdichte.
Zugleich besitzt Rommerskirchen die geringste Arbeitslosigkeit und den höchsten Lebensstandard im gesamten Agenturbezirk Mönchengladbach/Rhein-Kreis Neuss.
Folgende Gemeinden grenzen an Rommerskirchen (Abstand von Ortsmitte zu Ortsmitte):
Die ältesten Funde im Ort stammen aus der Grabung in der Kirche; die Scherben zeugen von einer Siedlung der Bandkeramiker (ca. 5300–4900 v. Chr.).[2]
In Rommerskirchen existieren noch viele Überreste der römischen Kultur. Dazu zählen zahlreiche römische Landgüter (Villae Rusticae) und zwei Steinsockel, die von einer oder mehreren Jupitersäulen stammen und die neben der Kirche St. Peter in Rommerskirchen gefunden wurden.[3]
Auch aus fränkischer Zeit (6.–7. Jahrhundert) liegen Siedlungsreste und Gräber vor. Bemerkenswert sind die Gräber, die bei Ausgrabungen durch Peter Josef Tholen 1950 unter der Pfarrkirche St. Peter zu Tage kamen. Sie datieren in die Zeit 700–740 n. Chr., darunter ein ausnehmend reiches Frauengrab.[4] Die Anordnung dieser Gräber lässt erschließen, dass sie in einer damals bereits bestehenden, 3-schiffigen Holzkirche von mindestens 7,5 × 15 m Größe niedergelegt wurden. Aus dieser Kirche entwickelte sich in vielen Zwischenstufen die 1945 zerstörte Kirche.
Schriftlich erwähnt wird Rommerskirchen im Jahre 1106 als Rumeschirche. Verschiedene Ortschaften der Gemeinde Rommerskirchen weisen in ihrem Kern noch mittelalterliche Züge mit romanischen und gotischen Kirchen auf, wie z. B. die Lambertuskapelle im Ortsteil Ramrath mit einer etwa 1100-jährigen Geschichte und einer Burg.
Rommerskirchen wurde im 15. Jahrhundert mit einem Wall und einem Graben umgeben und erhielt im Jahre 1437 die Marktrechte. Politisch bildete Rommerskirchen einen gleichnamigen Dingstuhl (Sitz eines unteren Gerichts) im Amt Hülchrath im Kurfürstentum Köln.
In der Nähe von Rommerskirchen befand sich die Ortschaft Gorchheim. Im Jahre 1260 wurde sie Goegheim und 1321 Goyrcheim genannt. Die genaue Lage des Ortes ist nicht bekannt.
Neuzeit
1794 besetzten französische Revolutionstruppen Rommerskirchen. 1796 wurde die Mairie Rommerskirchen gebildet. Sie gehörte zum Kanton Dormagen im Arrondissement Cologne im Département de la Roer. Sehr viele Bauten stammen aus der frühen Neuzeit sowie der Zeit der napoleonischen Besatzung. Aus der Mairie Rommerskirchen wurde 1815 die preußische Bürgermeisterei bzw. Landgemeinde Rommerskirchen. Sie bestand aus den Ortschaften Rommerskirchen, Eckum, Vanikum, Sinsteden und Gill und gehörte zum Kreis Neuß. 1929 kam Rommerskirchen an den Landkreis Grevenbroich-Neuß. 1966 entstand das Amt Rommerskirchen-Nettesheim. Zu diesem Amt gehörten die Gemeinde Rommerskirchen sowie die beiden Gemeinden des ehemaligen Amtes Nettesheim, Nettesheim-Butzheim und Frixheim-Anstel.
Eingemeindungen
Am 1. Januar 1975 wurde das Amt Rommerskirchen-Nettesheim aufgelöst. Die Gemeinden Nettesheim-Butzheim und Frixheim-Anstel wurden in die neue Gemeinde Rommerskirchen eingemeindet. Ebenfalls eingemeindet wurden die Gemeinden des Amtes Evinghoven. Dies waren Hoeningen mit den Ortschaften Hoeningen, Widdeshoven, Ramrath und Villau sowie Oekoven mit den Ortschaften Oekoven, Deelen, Ueckinghoven und Evinghoven.[5]
Im September 2015 trat der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Stephan Kunz aus der CDU aus und ist seitdem FDP-Fraktionsvorsitzender. Im April 2016 folgte ihm Gerhard Heyner, der ebenfalls aus der CDU austrat und in die FDP-Fraktion eintrat. Im Januar 2018 trat auch das CDU-Ratsmitglied Martin Drees der FDP-Fraktion bei.
Von 2009 bis 2014 regierte die SPD in einem Bündnis mit den Grünen und der FDP. Auch die UWG schloss sich bei den meisten Entscheidungen des SPD-Bündnisses an.
Dieses Bündnis wurde ab Juni 2014 von Bürgermeister Martin Mertens im Rat fortgeführt.
Bürgermeister seit 1975
Bei der Kommunalwahl 2020 erreichte der Sozialdemokrat Mertens 88,6 Prozent der Stimmen, das höchste Wahlergebnis eines SPD-Bürgermeisters in Nordrhein-Westfalen. Stephan Kunz von der FDP erreichte 7,8 Prozent, Stefan Hrdy von der AfD 3,6 Prozent.[8]
1975–1979: Helmut Dunkel (CDU)
1979–1989: Heinz Faller (CDU)
1989–1991: Peter Emunds (CDU)
1991–1999: Peter Josef Wolter (CDU)
1999–2014: Albert Glöckner (SPD)
2014–0000: Martin Mertens (SPD)
2024 wurde Martin Mertens Gegenstand der Berichterstattung, als sechs ehemalige Mitarbeitende, darunter ein heutiger Dezernent des Rhein-Kreises Neuss, die Amtsführung des Verwaltungschefs anprangerten und ein schlechtes Arbeitsklima unterstellten.[9] In einer Stellungnahme sah der Landrat des Rhein-Kreises Neuss, Hans-Jürgen Petrauschke keinen Anlass gegen den Bürgermeister tätig zu werden.[10] Nach Bekanntwerden „der Vielzahl von Vorwürfen gegen Bürgermeister Martin Mertens“ forderten die Spitzen von CDU, FDP, Grünen und UWG den Rücktritt des Bürgermeisters, der wiederum räumte per Videobotschaft auf Facebook „in etwas größerem Umfang Fehler ein“[11], wie die Neuß-Grevenbroicher Zeitung berichtete.[12] Am 16. Mai 2024 berichtete der WDR in der Lokalzeit aus Düsseldorf über die – vergebliche – Rücktrittsforderung gegen den Bürgermeister.[13] Am 30. Juli 2024 entlastete der Rhein-Kreis Neuss den Bürgermeister: Im Juli stellten sowohl der Landrat wie auch der Kreisdirektor fest, dass die Vorwürfe nicht haltbar seien. Die Dienstaufsichtsbeschwerden wurden vollends zurückgewiesen.[14] Der Initiator der Medienkampagne und des – vergeblichen – Abwahlverfahrens, der örtliche CDU-Vorsitzende Holger Hambloch, wurde im Oktober 2024 zum Gegenkandidaten des Bürgermeisters gewählt.[15] Hambloch wurde selbst Gegenstand der Berichterstattung, weil er sexualisierte Witze vor Kindern erzählt hatte. Auf die Kritik hin räumte er Fehler ein.https://www.bild.de/regional/nordrhein-westfalen/auf-schuetzenfest-cdu-politiker-erzaehlt-vibrator-witz-vor-kindern-66e15ed97ec3b15c6e1f7522 Die Kommunalwahl findet am 14. September 2025 statt.
„Hambloch-Affäre“: 2024 wurde Bürgermeister Martin Mertens Gegenstand der Berichterstattung, als sechs ehemalige Mitarbeitende, darunter ein heutiger Dezernent des Rhein-Kreises Neuss, die Amtsführung des Verwaltungschefs anprangerten und ein schlechtes Arbeitsklima unterstellten.[16] In einer Stellungnahme sah der Landrat des Rhein-Kreises Neuss, Hans-Jürgen Petrauschke keinen Anlass gegen den Bürgermeister tätig zu werden.[17] Nach Bekanntwerden „der Vielzahl von Vorwürfen gegen Bürgermeister Martin Mertens“ forderten die Spitzen von CDU, FDP, Grünen und UWG auf Initiative des CDU-Vorsitzenden Holger Hambloch den Rücktritt des Bürgermeisters, der wiederum räumte per Videobotschaft auf Facebook „in etwas größerem Umfang Fehler ein“[18], wie die Neuß-Grevenbroicher Zeitung berichtete.[19] Am 16. Mai 2024 berichtete der WDR in der Lokalzeit aus Düsseldorf über die – vergebliche – Rücktrittsforderung gegen den Bürgermeister.[20] Am 30. Juli 2024 entlastete der Rhein-Kreis Neuss dann den Bürgermeister: Im Juli stellten sowohl der Landrat wie auch der Kreisdirektor fest, dass die Vorwürfe nicht haltbar seien. Die Dienstaufsichtsbeschwerden wurden vollends zurückgewiesen.[21] Der Initiator der Medienkampagne und des – vergeblichen – Abwahlverfahrens, der örtliche CDU-Vorsitzende Holger Hambloch, wurde im Oktober 2024 von der CDU als Gegenkandidat des Bürgermeisters nominiert.[22] Hambloch wurde jedoch selbst Gegenstand der Berichterstattung, weil er sexualisierte Witze vor Kindern erzählt hatte. Auf die Kritik hin räumte er Fehler ein.https://www.bild.de/regional/nordrhein-westfalen/auf-schuetzenfest-cdu-politiker-erzaehlt-vibrator-witz-vor-kindern-66e15ed97ec3b15c6e1f7522 Die Kommunalwahl findet am 14. September 2025 statt.
Gemeindedirektoren 1975–1999
1975–1991: Alfred Brinkmann (CDU)
1991–1999: Peter Emunds (CDU)
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt in Grün drei (2:1) goldene Adler unter einem fünflätzigen goldenen Turnierkragen.
Dieses Wappen wurde nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 geschaffen und am 4. Oktober 1979 vom Regierungspräsident Düsseldorf genehmigt. Es geht auf ein altes Schöffensiegel der Herren von Anstel zurück, das nachweislich im Jahre 1355 von diesen geführt wurde. Der ursprünglich dreilätzige Turnierkragen des Siegels wurde auf fünf Lätze erweitert; diese symbolisieren die fünf ehemaligen Gemeinden Hoeningen, Frixheim-Anstel, Nettesheim-Butzheim, Oekoven und Rommerskirchen, aus denen die Gemeinde bei der Neugliederung hervorging. Die Tingierung symbolisiert die Naturlandschaft am Gillbach (grün) und die Landwirtschaft – insbesondere den Getreideanbau – in der Gemeinde (gold).
Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486–1535), spätmittelalterlicher deutscher Universalgelehrter, Arzt, Theologe, Jurist, Philosoph und Magier. Entstammt der Adelsfamilie von Nettesheim (†) aus Nettesheim
Rheinischer Anzeiger, Amtsblatt der Gemeinde Rommerskirchen
Rommerskirchen-Portal – regionale werbefreie Nachrichten mit unabhängiger Diskussionsplattform (www.rommerskirchen-portal.de)
Wirtschaft und Infrastruktur
Nach Rommerskirchen wurde eine große 380-kV-Umspannanlage des RWE benannt. Zwischen dem Umspannwerk Rommerskirchen und dem UmspannwerkLudwigsburg-Hoheneck ging am 5. Oktober 1957 die erste 380-kV-Leitung in Deutschland in Betrieb.
Die Umspannanlage (Amprion) liegt allerdings auf dem Gebiet der Stadt Bergheim im Ortsteil Rheidt-Hüchelhoven.
An das Fernstraßennetz ist Rommerskirchen durch die sich hier kreuzenden Bundesstraßen 59 und 477 angeschlossen. Die B 59 ist südlich von Rommerskirchen bis zur Bundesautobahn 1 in Köln-Bocklemünd kreuzungsfrei ausgebaut worden (Inbetriebnahme Dezember 2006). Der Ausbau der B 59 in nördliche Richtung ist als Ortsumgehung bis zum Ortsteil Sinsteden angelegt (Verkehrsfreigabe am 18. Mai 2009). Nördlich von Rommerskirchen ist sie als Autobahn 540 ausgebaut.
Wissenschaftlicher Geflügelhof des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG)
Literatur
Gottfried Neuen: Pulheim im Wandel der Zeiten; Pulheim 1966
Heinz Ohletz: 1929–1974 Jahre Menschen Initiativen im Großkreis Grevenbroich; o. O. 1975
Rhein-Kreis Neuss, Archiv im Rhein-Kreis Neuss (Hrsg.): "Heute schon ist man ein Kriegsmensch geworden". Dormagen und Rommerskirchen in der Ära des Ersten Weltkriegs. Forster Media, Bonn 2015 (Mit Personen- und Ortsregister).
↑Margarete Dohrn-Ihmig: Bandkeramik an Mittel- und Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 19. Köln 1971, S. 352 Nr. 124
↑Peter Noelke: Die Jupitersäulen und -pfeiler in der römischen Provinz Germania inferior. Beihefte der Bonner Jahrbücher 41. Bonn 1981, S. 475 f., Nr. 175. Online