Der Raue Beinwell (Symphytum asperum[1]), auch Kaukasus-Comfrey[2] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Beinwell (Symphytum) innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet liegt in der Kaukasusregion.
Der Raue Beinwell ist eine ausdauerndekrautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 100 bis zu 180 Zentimetern.[1] Der „Wurzelstock“ wächst aufrecht. Der relativ kräftige, verzweigte Stängel besitzt verstreut auf auffallenden Höckern sitzende, abwärts gebogene, seitlich abgeflachte, stachelige Pflanzenhaare (Indument).[1]
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind auf einem Viertel bis zu einem Drittel ihrer gesamten Länge von 3 bis 6 Millimetern verwachsen.[1] Die fünf Kelchzähne sind lanzettlich mit stumpfem oberen Ende.[1] Die fünf 11 bis 20 Millimeter langen[1]Kronblätter sind zu einer glockenförmigen Krone verwachsen, die anfangs rosafarb[1] bis karminrot und in weiterer Folge lebhaft himmelblau[1] bis blau gefärbt ist. In der Kronröhre befinden sich fünf zungenförmige, an der Basis leicht verbreiterte Kronschuppen mit am Rand dicht stehenden und schmal zylindrisch-kegelförmig geformten Drüsen. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Die gering schmäleren Staubfäden sind etwa gleich lang wie die Staubbeutel und das Konnektiv ist nicht über die Theken hinauswachsend.
Es werden Klausenfrüchte gebildet, die in vier raue, netzförmig gerunzelte bis grubige[1] und fein warzige Teilfrüchte, Klausen genannt, zerfallen.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landoltet al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w (mäßig feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[7]
Nutzung
Die Einführung als Futterpflanze, vor allem für Schweine, und als Zierpflanze erfolgte im 16. Jahrhundert.[6] Der Raue Beinwell ist bisweilen verwildert und in Mitteleuropa als Neophyt in Gesellschaften des Arction-Verbands eingebürgert.[3]
Auf den britischen Inseln wurde er Ende des 18. Jahrhunderts von Joseph Busch eingeführt, nachdem dieser als leitender Gärtner an den Palast von Katharina II. in St. Petersburg ging und dann verschiedene Beinwellpflanzen an seinen Geschäftsnachfolger Conrade Loddige in London schickte. Gärtnerei Loddige führte sieben Beinwell-Arten, darunter Rauen Beinwell. Nach einigen Jahren der Ziernutzung begann James Grant mit einem Anbauversuch im Jahr 1810 das landwirtschaftliche Potenzial auszuloten.[8]
Die Erstbeschreibung von Symphytum asperum erfolgte 1805 durch Iwan Iwanowitsch Lepjochin in Nova Acta Academiae Scientiarum Imperialis Petropolitanae, Band 14, Seite 442, Tafel 7[9]. Synonyme für Symphytum asperumLepech. sind Symphytum asperrimumSims[4], Symphytum armeniacumBuckn. und Symphytum asperum var. armeniacum (Buckn.) Kurtto[5].
Der Raue Beinwell ist gemeinsam mit dem Echten Beinwell (Symphytum officinale) Elternteil folgender Hybriden:
Bogumil Pawłowski: Symphytum. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S.103–104 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Schlüssel zu Symphytum und Beschreibung von Symphytum asperum, aus dem unveränderten Nachdruck von 2010 (ISBN 978-0-521-15368-3)).
↑ abManfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S.695.
↑ abErich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S.787.
↑ abSymphytumasperum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 15. Januar 2012.
↑ abDetails for: Symphytum asperum. In: The Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin-Dahlem, Januar 2011, abgerufen am 15. Januar 2012 (englisch).
↑ abRuprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.