Der Qunūt (arabisch قنوت ‚Gehorsam‘) ist ein Bittgebet, das am Morgen oder in der Nacht in das islamische Ritualgebet eingefügt wird. Heute be
Der Qunūt (arabisch قنوت ‚Gehorsam‘) ist ein Bittgebet, das am Morgen oder in der Nacht in das islamische Ritualgebet eingefügt wird. Heute besteht es zumeist aus einer Bitte um göttliche Gnade und Rechtleitung, für die vorformulierte Texte existieren.
Ursprünglich war der Qunūt ein Verfluchungsritus, bei dem der Betende seine Hände erhob und Gott um Vernichtung seiner Feinde bat. Als im Jahre 625 eine größere Anzahl von Muslimen bei Biʾr Maʿūna massakriert wurde, soll Mohammed selbst einen Monat lang den Stamm der Banū Sulaim, der für das Massaker verantwortlich war, beim Morgengebet oder witr-Gebet in Form des Qunūt verflucht haben. Auch ʿAlī ibn Abī Tālib und Muʿāwiya I. sollen sich während ihres Streites um die Führung der islamischen Gemeinschaft mit dem Qunūt gegenseitig verwünscht haben.
Der Wandel des Qunūt von der Verfluchung hin zum einfachen Bittgebet erfolgte im Rahmen der Systematisierung der islamischen Normenlehre. Relative Einigkeit besteht darüber, dass der Qunūt zeitlich hinter die Rumpfbeuge (Rukūʿ) im Mittelteil des Gebetes gehört. Über den Grad der Verbindlichkeit des Qunūt und über die Frage, ob man dabei die Hände erheben soll, gingen die Meinungen in den verschiedenen Schulen der Normenlehre jedoch auseinander. Insbesondere der Qunūt beim Morgengebet war und ist umstritten. Während asch-Schafii und Mālik ibn Anas ihn für eine sunna-Pflicht hielten, meinten Abu Hanifa und Ahmad ibn Hanbal, dass er abrogiert sei, und lehnten ihn ab.[1]
Nach Abū l-Aʿlā Maudūdī ist das Qunūt-Bittgebet an die letzte Rakʿa des Witr-Gebets anzuschließen. Der Text lautet nach ihm folgendermaßen:
«Allāhumma inna nastaʿīnuka wa-nastaġfiruka wa-nuʾminu bika wa-natawakkalu ʿalaika wa-nuṯnī ʿalaika l-ḫaira kullahūn wa-naškuruka wa-lā nakfuruka wa-naḫlaʿu wa-natruku man yafǧuruka»
„O Gott, wir bitten Dich um Deine Hilfe und eine Deine Vergebung. Wir glauben an Dich und vertrauen auf Dich. Wir preisen Dich mit allem Guten und danken Dir. Wir verleugnen Dich nicht und sagen uns von dem los, der sich Dir gegenüber versündigt.“
«Allāhumma iyyāka naʿbud wa-laka nuṣallī wa-nasǧudu wa-ilaika nasʿā wa-naḥfidu, wa-narǧū raḥmataka wa-naḫšaʿ ʿaḏābaka inna ʿaḏābaka bi-l-kuffāri mulḥiq»
„O Gott, Dir allein dienen wir und Dich allein verehren wir. Dich beten wir an und vor Dir werfen wir uns nieder. Zu Dir streben und eilen wir. Deine Gnade erhoffen wir, und Deine Strafe fürchten wir. Gewiss erreicht Deine Strafe die Ungläubigen.“[2]
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