Open Research Europe (ORE) ist eine Open-Access-Publikationsplattform für wissenschaftliche Forschungsergebnisse von der Europäischen Kommission, die im März
Open Research Europe (ORE) ist eine Open-Access-Publikationsplattform für wissenschaftliche Forschungsergebnisse von der Europäischen Kommission, die im März 2021 gestartet wurde.[1] Dort haben Wissenschaftler, die Mittel aus den EU-Förderprogrammen erhalten haben, die Möglichkeit, ihre Ergebnisse kostenfrei, also zu Bedingungen des Diamond Open Access, zu veröffentlichen. ORE nutzt dabei ein Open Peer Review, bei dem die Publikation sofort veröffentlicht und anschließend evaluiert wird. ORE versteht sich als von der Wissenschaftsgemeinschaft geleitete („scholar-led“) Alternative zum traditionelleren kommerziellen Publikationswesen. Seit Anfang 2026 wird ORE zu einem gemeinnützigen europäischen Dienst weiterentwickelt, der von europäischen Forschungsförderorganisationen finanziert und organisiert werden soll. Ab Herbst 2026 wird dieser dann auch für Wissenschaftler offenstehen, die keine Forschungsgelder aus den EU-Programmen erhalten haben.[2] ORE soll dadurch Mängeln entgegenwirken, die in Zusammenhang mit dem traditionellen wissenschaftlichen Publikationssystem entstanden sind, wie beispielsweise hohe Kosten beim kommerziellen Publizieren, neue Ungerechtigkeiten beim Zugang zum Publizieren, wie sie durch Article Processing Charges entstanden sind, und eine auf Metriken beruhende Forschungsbewertung.[3]
Die Entscheidung, eine eigene Open-Access-Publikationsplattform für die Ergebnisse EU-geförderter Projekte bereitzustellen, fiel in der EU-Kommission bereits 2017.[4] Als Vorbild gelten die Publikationsplattformen des Wellcome Trust und der Bill & Melinda Gates Foundation, die 2016 bzw. 2017 veröffentlicht wurden.[4] Beide Plattformen werden von F1000 gehostet, einem kommerziellen Publikationsdienst, der seit 2013 mit seiner Plattform F1000Research offenes Peer Review praktiziert.
Ziel war, den Open-Access-Anteil des EU-geförderten Forschungsoutputs weiter zu erhöhen, zum Beispiel alle Ergebnisse aus den Förderprogrammen Horizont 2020 und Horizont Europa, und dabei möglichst niedrigschwellige Publikationsangebote bereitzustellen. So ist die Veröffentlichung auf ORE für die Forscher kostenfrei, die Europäische Kommission zahlte jedoch für jede Veröffentlichung Article Processing Charges (APC) in Höhe von 780 € an F1000.[5] Der Vertrag mit F1000 wurde zunächst für vier Jahre geschlossen (2020 bis 2024), und 2023 wurde angekündigt, dass es einen Verlängerungsvertrag mit F1000 gibt.[1] An der Entwicklung des Dienstes von F1000 für die Europäische Kommission waren LIBER, Eurodoc, die Global Young Academy und OpenAIRE beteiligt.[1]
2024 wurde angekündigt, dass die Europäische Kommission im Einklang mit ihren Bemühungen, Diamond Open Access zu fördern, die Plattform zur Open-Source-Software Open Journal Systems (OJS) des Public Knowledge Projects (PKP) migrieren wird.[6] Open Journal Systems wurde daraufhin für die Bedürfnisse der Plattform weiterentwickelt.[7]
Am 26. März 2026 wurde bekanntgegeben, dass ein Konsortium aus Forschungsförderorganisationen den Betrieb von ORE organisieren wird und das CERN das Hosting übernimmt.[8] Beteiligte Organisationen sind:
Für Deutschland ist das BMFTR Vertragspartner, die Durchführung wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) organisiert.[3]
Seit der Veröffentlichung im März 2021 wurden auf ORE mehr als 1.200 Artikel veröffentlicht, an denen mehr als 6.300 Autoren von mehr als 3.000 verschiedenen Institutionen beteiligt sind.[9]
Forschungsberichte werden auf der Plattform kontinuierlich veröffentlicht, also nicht zu Zeitschriftenausgaben oder thematisch zusammengefasst. Die Artikel werden sofort veröffentlicht, ähnlich wie bei Preprints, jedoch anschließend einem Offenen Peer-Review-Verfahren unterzogen. Der gereviewte Artikel wird anschließend als neue Version abgespeichert. Diese Vorgehensweise wird auch als Publish Review Curate (PRC) bezeichnet.
Die Indexierung der Artikel erfolgt in vielen großen Datenbanken, darunter PubMed Central, Elseviers Scopus, ERIH PLUS und Inspec. Außerdem wurde ORE ins Directory of Open Access Journals aufgenommen.[1]
Die Bemühungen um die Bereitstellung von Open-Access-Infrastrukturen durch Forschungsförderer werden von Wissenschaftlern begrüßt.[10] Einige geben zu Bedenken, dass ORE nicht zu einem seelenlosen „Megajournal“ verkommen dürfe.[11]
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