Klunst

Die Klunst ist ein ehemals 440,0 m hoher Berg in Ebersbach/Sa. der heute im Steinbruchbetrieb abgebaut wird. Er liegt zwischen der Eisenbahnlinie Ebersbach–Lïżœ

Klunst
Sicht vom Schlechteberg auf den Steinbruch Klunst
Panorama des Steinbruches Klunst

Die Klunst ist ein ehemals 440,0 m hoher Berg in Ebersbach/Sa. der heute im Steinbruchbetrieb abgebaut wird. Er liegt zwischen der Eisenbahnlinie Ebersbach–Löbau und den Ebersbacher BuschmĂŒhlhĂ€usern und ĂŒberragt das Bleichewassertal um 60 bis 80 m.

Der Bergname enthĂ€lt den gleichen Wortstamm wie der der Steinklunsen zwischen Oppach und Beiersdorf. Mundartlich bedeutet Klunst „zerklĂŒfteter Felsen“.[1]

Geologie

Die Klunst ist aus einem Lamprophyrgang aufgebaut. Dieser hat die Form einer Linse und ist bis ĂŒber 150 m breit. Solche GĂ€nge kommen im Lausitzer Granodioritmassiv hĂ€ufig vor. Sie erreichen jedoch nirgends mehr diese MĂ€chtigkeit wie bei der Klunst. Die GĂ€nge streichen im Ostteil des Granodioritmassivs von Nordosten nach SĂŒdwesten und im Westteil von Nordwesten nach SĂŒdosten. SĂŒdlich von Löbau liegt das Übergangsgebiet von der einen in die andere Richtung, wo von Norden nach SĂŒden gerichtete GĂ€nge sich erstrecken. Auch der an der Klunst gehört dazu. GĂŒnter Möbus (1959) besagt in einer Untersuchung ĂŒber die Tektonik der Ganggesteine, dass das Öffnen der KlĂŒfte und somit das Entstehen der GĂ€nge „am besten durch eine beulenartige Aufwölbung“ zu erklĂ€ren ist, die nach der Bildung sĂ€mtlicher granodioritischer Gesteine erfolgte. WĂ€hrend dieses Prozesses rissen die Spalten radialartig auf. Von diesen sind heute ĂŒber 1200 in der Oberlausitz bekannt, die lamprophyrisches Gestein enthalten. Die Lamprophyre werden in Ă€lterer geologischer Literatur aufgrund ihrer petrografischen Ausbildung als Diabas, volkstĂŒmlich auch als GrĂŒnstein bezeichnet. Bei genauen Untersuchungen haben sich die Lausitzer Lamprophyre als sehr varietĂ€tenreich erwiesen, weshalb sie diverse gesteinskundliche Bezeichnungen erhielten, so Spessartit, Kersantit und weitere. An ihrem Aufbau sind hauptsĂ€chlich die Minerale Plagioklas, Augit, Hornblende, Biotit sowie oxidisches und sulfidisches Erz beteiligt. So konnten an der Klunst Kupfererz und Bleiglanz in allerdings unbedeutenden Mengen geborgen werden. Da ihr Gestein seit Anfang des 20. Jahrhunderts ununterbrochen abgebaut wurde fielen die einstigen riffartigen Gipfelklippen vollstĂ€ndig dem Steinbruchbetrieb zum Opfer.

Folgende (sammlerisch interessante) Minerale wurden in der Klunst gefunden: Allanit-(Ce), Ankerit, Azurit, Calcit, Cerussit, Chabasit-Ca, Chalkopyrit, Covellin, Epidot, Galenit, Granat (Andradit), HĂ€matit, Heulandit-Ca, Ilmenit, Laumontit, Magnetit, Malachit, Magnesio-Hornblende, Muskovit, Phlogopit, Plagioklas (Albit), Prehnit, Pyrit, Pyromorphit, Pyrrhotin, Quarz (Bergkristall), Sphalerit, Stilbit-Ca, Titanit und Turmalin.[1]

Geschichte des Steinbruchbetriebes

Das Forstrevier Raumbusch und die sich sĂŒdlich anschließende Klunst gehörten bis 1921 zum Besitz der Stadt Zittau. Diese verpachtete 1902 eine TeilflĂ€che des Berges (den SĂŒdhang des höchsten Gipfels) an einen privaten Steinbruchbetrieb. Der Abbau beginnt sehr klein. Schon 1910 legte der Humboldtverein, der Landesverein SĂ€chsischer Heimatschutz und der Gemeinderat von Ebersbach Einspruch gegen die Verunstaltung der Landschaft durch den Steinbruchbetrieb ein, da die Gipfel auch geologisch und geomorphologisch interessante Naturgebilde darstellten.

Historischer Blick ĂŒber Ebersbach zur Klunst

Im Jahre 1914 ĂŒbernahmen die Ostdeutschen Hartsteinwerke den Steinbruch. Mit Zittau wird ein Abbauvertrag bis 1940 abgeschlossen, obwohl schon zahlreiche EinsprĂŒche vorlagen. Hermann Andert begann zusammen mit anderen deutschen Wissenschaftlern einen verzweifelten Kampf zur Rettung der Klunst. VertrĂ€ge wurden abgeschlossen und durch die Ostdeutschen Hartsteinwerke gebrochen, bis der erste und höchste Felsengipfel weggesprengt war.

Am 21. Januar 1937 wurde der zweite Gipfel als Naturschutzgebiet in das Naturdenkmalbuch des Deutschen Reiches eingetragen. 1940 wird der Abbauvertrag durch Zittau verlĂ€ngert. Am 7. August 1945 wurde durch die Ostdeutschen Hartsteinwerke ein Antrag zur Aufhebung des Naturschutzgebietes gestellt. Er wird abgelehnt, das Reichsnaturschutzgesetz gilt weiterhin. Am 4. August 1954 wird es durch das 1. Naturschutzgesetz der DDR abgelöst. Der Steinbruchbetrieb gewinnt jedoch die Oberhand. Gegen den Willen der Ebersbacher BĂŒrger wird das Naturschutzgebiet am 21. September 1956 durch die amtliche Bekanntmachung in der SĂ€chsischen Zeitung gestrichen.

Wie der mittlerweile verfĂŒllte Lamprophyrbruch bei Niederfriedersdorf gehörte der an der Klunst dem VEB Lausitzer Granit Demitz-Thumitz. Das auf zwei Sohlen gebrochene Material wurde von Greifern auf Kippautos geladen und zum Brecher- und Klassierwerk gebracht. 1968 wurde eine technische Anlage aus Frankreich an Stelle einer alten aufgebaut. Ihre JahreskapazitĂ€t belief sich damals auf etwa 240000 t. Außer Schotter (35,5–80 mm) wurden 4 Sorten Splitt (2,5–5 mm, 5–8, 8–12,5, 12,5–25 mm) und Sand (bis 0,3 mm) gewonnen. Seit 1967 die Bremsberganlage vom Brecherwerk zur Verladevorrichtung an der Eisenbahnstrecke Ebersbach-Löbau stillgelegt wurde, transportierten Lastkraftwagen das gebrochene Material zum Bahnhof Ebersbach.

Nach 1990 sollte der Betrieb des Steinbruches eingestellt werden und als kreisliche MĂŒlldeponie genutzt werden. NaturschĂŒtzer aus Ebersbach starten eine Unterschriftenaktion mit knapp 3000 Unterschriften dagegen.

Die ProStein GmbH & Co. KG (gegrĂŒndet:1. MĂ€rz 2000) ĂŒbernahm den Steinbruchbetrieb.

Neue Bahnverladeanlage

Seit Oktober 2007 erfolgt wieder die Bahnverladung Ebersbach durch eine neu Bahnverladeanlage. Vom Bahnhof Ebersbach aus erhalten Hochbau- und Straßenbaubetriebe Splitt und Sand, die als Zuschlagstoffe Verwendung finden.

Quellen

  • Zwischen Strohmberg, Czorneboh und Kottmar (= Werte unserer Heimat. Band 24). Akademie-Verlag, Berlin 1974.
  • Originaldokumente vom NABU Kreisverband Löbau e.V.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Wolfram Lange: Der Steinbruch „Klunst“ in Ebersbach/Sachsen. In: Der Aufschluss. Jg. 63, MĂ€rz – Juni 2012, S. 073–084. Heidelberg.

Koordinaten: 51° 0â€Č 55,3″ N, 14° 35â€Č 27,1″ O

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