Jörg Sieger

Jörg Sieger (* 18. Mai 1960 in Lahr) ist ein deutscher Theologe und Historiker.

Jörg Sieger (* 18. Mai 1960 in Lahr) ist ein deutscher Theologe und Historiker.

Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1986 war er in Wald (Hohenzollern) und Breisach tätig. Sieger war Studentenpfarrer in Mannheim, Pfarrer in Bruchsal und ist seit 2015 beim Diözesan Caritasverband Freiburg zuständig für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit sowie interkulturelle Öffnungsprozesse[1]. Lehraufträge erteilte ihm die Universität Mannheim, die Pädagogische Hochschule Karlsruhe und die Duale Hochschule Stuttgart. Seine Forschungsschwerpunkte und Inhalte diverser Veröffentlichungen sind biblische Einleitungsfragen[2], der Isenheimer Altar[3] und die Geschichte der Stadt Ettenheim. Er gilt als einer der Pioniere der kirchlichen Internetpräsenz.[4]

Leben

Jörg Sieger beendete die schulische Laufbahn mit dem Abitur an der Heimschule St. Landolin in Ettenheim im Sommer 1979. Von 1979 bis 1985 studierte er katholische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach der Diakonenweihe am 16. Dezember 1984 war er ein Jahr Diakon in Oberkirch und nach der Priesterweihe am 10. Mai 1986 drei Jahre Vikar in Breisach a. Rh. Von 1989 bis 1996 war er Studentenpfarrer in Mannheim, bevor er die Pfarreien St. Peter und St. Paul in Bruchsal – ab 2002 auch die Pfarrei St. Anton – als Pfarrer übernahm. Am 1. Januar 2015 wurde ihm die Aufgabe eines Referenten beim Diözesan-Caritasverband Freiburg übertragen, mit dem Schwerpunkt der Koordinierung und Begleitung der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit auf dem Gebiet der Erzdiözese Freiburg.[5]

Wissenschaftliche Tätigkeit

Im Jahre 1985 promovierte Sieger über die letzten Jahre im Leben des letzten Straßburger Fürstbischofs an der theologischen Fakultät der Universität Freiburg.[6][7] Die Universität Mannheim erteilte ihm einen Lehrauftrag für biblische Einleitungswissenschaften[8] und Alttestamentliche Exegese.[9] In diesem Zusammenhang erstellte Sieger eine umfassende Einleitung in die biblischen Texte im Internet.[10]

Die Bemühungen Siegers, theologische und kunstgeschichtliche Aspekte in eine Symbiose zu bringen, fanden und finden ihren Niederschlag insbesondere in der Arbeiten um den Isenheimer Altar, die online zugänglich sind.[11] Besonders zu nennen ist der Versuch einer digitalen Rekonstruktion der Isenheimer Antoniter-Präzeptorei in Form einer Video-Animation.[12]

Forschungsschwerpunkt als Historiker ist für Sieger seine Heimatstadt Ettenheim. In der historischen Datenbank Ettenheim sammelt er seit 2003 sowohl Print-Veröffentlichungen über die Stadt als auch historisches Quellenmaterial.[13] Hinzu kommen die Nachlässe unter anderem des Ettenheimer Heimatforschers Bernhard Uttenweiler, und der Fotografin Martha Oehler. Bis zum Jahre 2017 war der Datenbestand auf 91 GB angewachsen.[14]

Im Zusammenhang mit den Arbeiten um die Geschichte der Stadt Ettenheim entstanden – gemeinsam mit dem Ettenheimer Karl-Heinz Häfele – ebenfalls digitale Rekonstruktionen und entsprechende Videoanimationen. Von besonderer Bedeutung ist die virtuelle Rekonstruktion der im 19. Jahrhundert abgerissenen Klosteranlage von Ettenheimmünster aus dem Jahre 2013.[15] Neuere Forschungsergebnisse machten es möglich, die Rekonstruktion zu erweitern und komplett zu überarbeiten. Eine daraus hervorgegangene Videoanimation wurde 2023 der Öffentlichkeit vorgestellt.[16]

Theologisch-Pastorale Tätigkeit

Während Siegers Tätigkeit in der Pastoral spielte das Thema „soziale Gerechtigkeit“ eine große Rolle. Dies äußerte sich vor allem im „Amos-Prozess“ des Jahres 2009. Ausgehend vom Propheten Amos wurde in einem Projekt mit mehreren hundert Beteiligten in unterschiedlichen Aktionen die Bedeutung der biblischen Texte für die Gegenwart erhoben. Die einzelnen Aktionen sind im Internet dokumentiert.[17]

Mit der Internetpräsenz ab Frühjahr 1998 gehört Sieger mit der Domän joerg-sieger.de zu einer der ersten kirchlichen Anbieter im Internet. Das Magazin „Online-Today“ verwies mehrfach auf das Angebot.[18][19] Die Zeitschrift „Focus“ berichtete 2003 ausführlich über das Engagement.[20] Auf den Seiten veröffentlicht Sieger seit 1998 seine Predigten. Im Jahr 2026 waren knapp 850 Predigten abrufbar.[21] Zahlreiche dieser Texte wurden von Karel Hron ins Tschechische übersetzt und als Buch verlegt.[22]

Kontroversen lösten Siegers Engagement in Sachen Ökumene aus, vor allem die Bruchsaler ökumenische Erklärung „Wir wollen eins sein...“ der Kirchengemeinden St. Peter und Paul-Gerhardt aus dem Jahre 2011.[23] Am 3. Juli 2011 bezeichnete Hans Küng in einem Radiointerview zu seinem Buch "Diagnose Sterbenskrank – Ist die Kirche noch zu retten„, die Bruchsaler Erklärung als Hoffnungszeichen.[24] Der Fernsehsender“Gloria TV„berichtete.[25] Das Badische Tagblatt fasste die Ereignisse und die darauf folgenden“Entgleisungen im Internet" – wie Dieter Klink in seinem Artikel schrieb – zusammen.[26]

Ehrungen

Für seine Verdienste um die historische Datenbank Ettenheim wurde Sieger die Verdienstmedaille der Stadt Ettenheim verliehen.[27] Beim Neujahrsempfang 2019 der Stadt ehrte die Stadt Ettenheim die Bemühungen um die Datenbank und das „Gedächtnis der Stadt“ erneut.[28]

Am 23. November 2014 verlieh die Stadt Bruchsal Sieger bei seiner Verabschiedung als Pfarrer die Ehrenmedaille der Stadt Bruchsal in Anerkennung besonderer Verdienste.[29]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Kardinal im Schatten der Revolution – Der letzte Fürstbischof von Straßburg in den Wirren der Französischen Revolution am Oberrhein. Kehl – Straßburg – Basel 1986. ISBN 978-3885711506
  • Bischof auf der Flucht – Zum Schicksal des letzten Straßburger Fürstbischofs und seiner rechtsrheinischen Besitzungen in den Jahren nach Ausbruch der Revolution. In: Badische Heimat (3/1989), Seite 379–388.
  • Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Gründung des Erzbistums Freiburg [= Dr. Karl Suso Frank, Das Erzbistum Freiburg in seiner Geschichte – 4. Neuzeit], Strasbourg 1993.
  • Wie können wir heute glauben? Innsbruck 2000. ISBN 3-7022-2345-2
  • Na cestě s milosrdným rebelem. Výběr zamyšlení ze Svatomořického zpravodaje na motivy kázání Jörga Siegera. Herausgegeben von Karel Hron, Olomouc 2021. ISBN 978-80-11-00556-6
  • Ettenheimmünster (gemeinsam mit Jürgen Dendorfer, Armin Schlechter und Marc Carel Schurr). In: Jürgen Dendorfer und Wolfgang Zimmermann, Badisches Klosterbuch, Regensburg 2025, Band I, Seite 380–396. ISBN 978-3-7954-3847-0

Einzelnachweise

  1. Interkulturelle Ehrenamtskoordination. Abgerufen am 7. März 2026.
  2. Jörg Sieger: Die Bibel - Entstehung, Gedankenwelt und Theologe der biblischen Bücher. Abgerufen am 7. März 2026.
  3. Jörg Sieger: Der Isenheimer Altar und seine Botschaft. Abgerufen am 7. März 2026.
  4. Noelani Afif: Plausch mit dem Pfarrer - Seelsorger, Beichtgespräche und Gebete. Katholiken und Protestanten nutzen das Internet als Stätte der Begegnung. in: Focus, Nr. 17, 19. April 2003, S. 116–118 (mit Bild).
  5. Jörg Sieger: "Kennt man Sie?" - "Nö!" Ein paar Worte über mich. Abgerufen am 7. März 2026.
  6. Erfolgreiche Promovierung in Fachrichtung Theologie. In: Lahrer Zeitung. 13. Juli 1985.
  7. Jörg Sieger: Kardinal im Schatten der Revolution. Der letzte Fürstbischof von Straßburg in den Wirren der Französischen Revolution am Oberrhein. Morstadt-Verlag, Kehl - Straßburg - Basel 1986.
  8. Universität Mannheim (Hrsg.): Vorlesungsverzeichnis SS 1992, WS 1992/93, SS 1993, WS 1993/94, SS 1994, WS 1994/95, SS 1995, WS 1995/96, SS 1996, WS 1996/97, SS 1997, WS 1997/98, SS 1998, WS 1998/99, SS 1999, WS 1999/2000, SS 2000, WS 2000/01 SS 2001, WS 2001/02, SS 2002.
  9. Universität Mannheim (Hrsg.): Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2002/03.
  10. Jörg Sieger: Die Bibel Einführung in die Geschichte, Entstehung, Gedankenwelt und Theologie der biblischen Bücher. Abgerufen am 7. März 2026.
  11. Jörg Sieger: Der Isenheimer Altar und seine Botschaft. Abgerufen am 7. März 2026.
  12. Dr. Jörg Sieger: Rekonstruktion der Antoniterpräzetorei Isenheim. Abgerufen am 7. März 2026.
  13. Herbert Birkle: Gedächtnis der Stadt und des Klosters. 10 Jahre Historische Datenbank Ettenheim. In: In: Ettenheimer Stadtanzeiger. Nr. 28, 11. Juli 2013.
  14. Klaus Schade: "Das Städtle ist einfach nur liebenswert" - ESA-Interview: Dr. Jörg Siegers Datenbank mit Zeugnissen der Stadtgeschichte wächst weiter. In: Ettenheimer Stadtanzeiger. Nr. 3, S. 2017-01–19.
  15. Isabelle Konnegen: Eine digitale Auferstehung. Großes Interesse an der 3-D-Animation des ehemaligen Benediktinerklosters / Abschluss der Feiern zu 1250 Jahren Ersterwähnung. In: Badische Zeitung. S. 2013-11–19.
  16. Hannah Fedricks Zelaya: Ein Rundgang durchs Kloster Ettenheimmünster von 1800. 7. Juli 2023, abgerufen am 7. März 2026.
  17. Dr. Jörg Sieger: Weckruf-Wegruf - Mit dem Propheten Amos auf dem Weg. Abgerufen am 7. März 2026.
  18. Dr. Jörg Sieger. Der katholische Gottesmann aus Bruchsal bleibt mit beiden Beinen auf der Erde. In: Online Today - Das Magazin der Generation @. Nr. 12, 1998, S. 92.
  19. Pfarrer Dr. Jörg Sieger. Der katholische Gottesmann empfiehlt. In: Online Today - Das Magazin der Generation @. Nr. 1, 1999, S. 91.
  20. Noelani Afif: Plausch mit dem Pfarrer - Seelsorger, Beichtgespräche und Gebete. Katholiken und Protestanten nutzen das Internet als Stätte der Begegnung. In: Focus. Nr. 17, 19. April 2003, S. 116–118.
  21. Dr. Jörg SIeger: Predigten aus der Praxis. Abgerufen am 7. März 2026.
  22. Karel Hron: Na cestě s milosrdným rebelem. Výběr zamyšlení ze Svatomořického zpravodaje na motivy kázání Jörga Siegera. Olomouc 2021, ISBN 978-80-11-00556-6.
  23. Wir wollen eins sein... Abgerufen am 7. März 2026.
  24. Ralf Caspary (Redakteur): Diagnose: Sterbenskrank. Ist die Kirche noch zu retten? Ein Gespräch mit Professor Hans Küng. SWR2 Aula, 3. Juli 2011.
  25. Gloria-TV: Nachrichtensendung. 11. Juli 2011.
  26. Dieter Klink: "Wir wollen eins sein". Was in der Ökumene möglich ist und was nicht: (Schmerzvolle) Erfahrungen in Bruchsal. Badisches Tagblatt, Nr. 210, 10. September 2011.
  27. Erika Sieberts: Datenbank: Stadtgeschichte auf Fingernagelgröße. Jörg Sieger stellt seine elektronische Datenbank zur Stadtgeschichte vor / Stadt ehrt den Geschichtsforscher mit Bürgermedaille. 19. Juli 2013, abgerufen am 7. März 2026.
  28. Klaus Fischer: Gedächtnis der Stadt. 8. Januar 2019, abgerufen am 7. März 2026.
  29. Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick: Urkunde der Stadt Bruchsal. Bruchsal 23. November 2014.

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