Johan van Slageren

Johan van Slageren (* 25. Januar 1961 in Barsingerhorn, heute Ortsteil von Hollands Kroon, Niederlande) ist ein deutsch-niederländischer Komponist, Arrangeur,

Johan van Slageren (* 25. Januar 1961 in Barsingerhorn, heute Ortsteil von Hollands Kroon, Niederlande) ist ein deutsch-niederländischer Komponist, Arrangeur, Unternehmer und ehemaliger Kapellmeister.

Leben

Ausbildung

Johan van Slageren studierte ab 1980 Cembalo am Conservatorium voor Muziek, Alkmaar (heute Conservatorium Haarlem) bei Jaap Spigt, von 1983 bis 1987 Orchesterleitung am Conservatorium Maastricht bei Anton Kersjes und beendete seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Tanz Köln in der Dirigierklasse von Volker Wangenheim, die er von 1986 bis 1988 besuchte.[1]

Tätigkeit als Dirigent

Bereits während seines Studiums in den Niederlanden hat van Slageren an der Rotterdamse Opera mehrere Opernproduktionen einstudiert und musikalisch geleitet (u. a. Nabucco[2], Macbeth[3] und Carmen). In dieser Zeit war er auch Dirigent des Universitätsorchesters Amsterdam.[4]

Von 1989 bis 1994 war er als 1. Kapellmeister/Studienleiter am Stadttheater Hildesheim (heute: Theater für Niedersachsen) tätig. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Niedersächsischen Kammerorchesters Hannover, dessen Dirigent er bis 1994 war.[5] 1994 bis 1996 war er als 2. Kapellmeister am Opernhaus Wuppertal, von 1996 bis 2000 als 1. Kapellmeister am Mainfranken Theater Würzburg engagiert.

Als Gastdirigent arbeitete er in den Niederlanden mit den Philharmonischen Orchestern von Haarlem und Enschede und seit 1993 mehrfach mit „De Nationale Reisopera“ (heute Nederlandse Reisopera) zusammen. Dort dirigierte er unter anderem in der Spielzeit 1994/1995 Rusalka[6] und 1997/1998 Maria Stuarda[7][8]. In Deutschland war er neben seinen festen Engagements unter anderem beim Philharmonischen Orchester Vorpommern, wo er Die lustigen Weiber von Windsor einstudierte und dirigierte, zu Gast.[9] In der Spielzeit 2001/2002 brachte er im Schlosstheater im Neuen Palais Potsdam in einer Produktion des Hans Otto Theaters mit der Batzdorfer Hofkapelle die Oper Argenore von Wilhelmine von Bayreuth zur Aufführung.[10]

Im Jahr 2002 bekleidete er einen Lehrauftrag für Korrepetition an der Hochschule für Musik Würzburg.

Johan van Slageren arbeitete während seiner Dirigentenkarriere mit Sängerinnen und Sängern wie Diana Damrau, Christian Gerhaher, Cheryl Barker, Peter Bording, Joseph Calleja, Melba Ramos oder Anne Williams-King zusammen. Häufig brachte er Werke abseits des gängigen Repertoires zur Aufführung, so etwa in Würzburg Der junge Lord von Hans-Werner Henze[11] und Der Leuchtturm von Peter-Maxwell Davies[12] sowie in Potsdam Argenore von Wilhelmine von Bayreuth.[13]

Überregionale Beachtung fand die von ihm initiierte und dirigierte Uraufführung von Antonio Salieris Oper Cublai, gran kan de‘ Tartari im Rahmen des Mozartfest Würzburg 1998.[14][15] Das Werk war zu Lebzeiten des Komponisten aus politischen Gründen nie zur Aufführung gekommen.[16] Van Slageren edierte gemeinsam mit Udo Wessiepe die in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek Wien aufbewahrte autographe Partitur.

Tätigkeit als Verleger und Unternehmer

Um das Notenmaterial zur Uraufführung von Salieris Oper Cublai, gran kan de‘ Tartari herausgeben zu können, gründeten Johan van Slageren und Udo Wessiepe 1998 den Musikverlag attacca!. Aus dieser verlegerischen Tätigkeit entwickelten beide im Jahr 2000 die Homepage noten-umsonst.de, über die eigens erstellte Ausgaben und Bearbeitungen von Werken der klassischen Musik zum Download bereitgestellt wurden.[17] Verlegt wurden eigens erstellte Notenausgaben und Bearbeitungen des klassischen Kernrepertoires, aber auch wenig bekannter und neu entdeckter Werke.[18] Mit der Gründung der Stretta Music GmbH im Jahr 2001 mit Sitz in Würzburg wurde der Vertrieb der Notendownloads auf ein gestaffeltes Abosystem umgestellt und auch der Online-Handel mit gedruckten Noten aller gängigen Musikverlage etabliert. Der Sitz der Firma ist heute in Eibelstadt mit Johan van Slageren und Udo Wessiepe als Geschäftsführern.[19]

Tätigkeit als Komponist

Für die Noten-Downloads der Plattform noten-umsonst.de/Stretta Music arrangierte Johan van Slageren zahlreiche Werke des klassischen Repertoires (unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel, Marc-Antoine Charpentier), aber auch Volkslieder und Jazz-Standards für unterschiedliche Besetzungen.[20] In diesem Zusammenhang entstanden auch Eigenkompositionen wie Jazzy Papageno, Sahara, der Ragtime Shake it oder die Gospel-Variationen Swing high.[21]

Seit 2011 beschäftigt ihn das Projekt eines Musicals nach Charles Dickens‘ Roman Oliver Twist. Nach einer ersten kleinen Produktion in Würzburg und einer zweiten Fassung für Schulorchester wurde 2026 die stark erweiterte Fassung für professionelle Bühnen unter dem Titel O.T. in einer Studioproduktion veröffentlicht. Das Libretto des Werks stammt von Erhard Drexler und Johan van Slageren, die Liedtexte von Cornelia Boese.[22]

Werke

Musical

  • O.T. – Musical nach dem Roman „Oliver Twist“ von Charles Dickens (2026). Libretto von Erhard Drexler und Johan van Slageren, Liedtexte von Cornelia Boese[23]

weitere Werke

Die Werke von Johan van Slageren erscheinen als Notendownloads beim Verlag Stretta Music.[24]

  • A Christmas Medley für Schulorchester und Kinderchor (2004)
  • Along the Road. Swing für Klarinette (oder Trompete/Tenorsaxophon) und Klavier (2007)
  • Canto piccolo für Violoncello (oder Posaune) und Klavier (2007)
  • Caroussel für Klarinette (oder Trompete/Tenorsaxophon) und Klavier (2007)
  • Czango für Violine (oder Flöte/Oboe/Klarinette) und Klavier (2006)
  • Easy go along für Melodieinstrument und Klavier (2006)
  • Gogglewalk für zwei Instrumente (2007)
  • Jazzy Papageno nach der Arie „Der Vogelfänger bin ich ja“ aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ für ein Soloinstrument und Klavier (2005)
  • Mars. Marsch für Soloinstrument und Klavier (2006)
  • O how joyfully. Jazz-Variationen über „O du fröhliche“ für Klavier (2007); auch in Fassungen für Melodieinstrument und Klavier
  • Sahara. Fantasie für Oboe (oder Violine/Flöte/Blockflöte) und Marimba (oder Klavier) mit Violoncello und Schlagzeug ad libitum (2005)
  • Shake It! Ragtime für Klavier zu vier Händen (2006); auch in Fassungen für zwei Trompeten (oder Klarinetten) und Klavier; vier Flöten und Klavier; variables Ensemble (7 Instrumente) und Klavier zu vier Händen ad libitum
  • Swing High. Based on Traditional Gospels für zwei Violinen (oder Klarinetten) (2005)
  • Why not? für Soloinstrument und Klavier (2010)

Einzelnachweise

  1. https://theaterencyclopedie.nl/wiki/Johan_van_Slageren. Abgerufen am 24. August 2026.
  2. Lex Hermans: Veel spanning in „Nabucco“. In: Rotterdams Nieuwsblad. 11. Januar 1986.
  3. Eddy Geerling: Opera Macbeth mist spanning. In: Algemeen Dagblad. 11. Februar 1987.
  4. Gemma Coebergh: Pianist Sjoerd Kloppenberg toont groot allure. In: Haarlems Dagblad. 6. Oktober 1989.
  5. https://theaterencyclopedie.nl/wiki/Johan_van_Slageren. Abgerufen am 24. August 2026.
  6. Thiemo Wind: Roesalka muzikaal gelukt. In: De Telegraaf, Amsterdam. 3. Januar 1995.
  7. https://www.operabase.com/productions/maria-stuarda-3997/de. Abgerufen am 24. August 2026.
  8. Eddie Vetter: Elizabeth met alpinopet. In: De Telegraaf, Amsterdam. 10. November 1997.
  9. R. Amler: Publikum feierte gelungenen Spielzeitauftakt. In: Ostsee-Zeitung. 15. September 1999.
  10. Jürgen Otten: Der König, seine Tochter, ihr Liebhaber und der Tod. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Berliner Seiten). 20. November 2001.
  11. Clemens Prokop: Der Planet der Affen. „Der junge Lord“ von Henze in Würzburg. In: Süddeutsche Zeitung. 3. März 2000.
  12. Werner Häußner: Mit düst’ren Gespenstern in der eigenen Seele gekämpft. In: Main-Echo. 27. Mai 1999.
  13. Gregor Schmitz-Stevens: Nichts für Amateure. Potsdam gräbt Antiken-Oper von Friedrichs Lieblingsschwester Wilhelmine aus. In: Berliner Morgenpost. 19. November 2001.
  14. Gerhard R. Koch: Mozart hat Salieri auf dem Gewissen. Späte Uraufführung, rechtzeitig: Antonio Salieris „Kublai Khan“ in Würzburg. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Juni 1998.
  15. Hans-Klaus Jungheinrich: Verfrühte Offenbachiade. Uraufführung nach 200 Jahren: Salieris Oper „Kublai, großer Khan der Tataren“. In: Frankfurter Rundschau. 25. Juni 1998.
  16. Holger Slowik, Udo Wessiepe: Vorwort zur Erstausgabe der Partitur: Antonio Salieri: Cublai, gran kan de’ Tartari. Opera eroicomica in due atti. Libretto von Giambattista Casti, Erstausgabe, herausgegeben von Udo Wessiepe. Edition Stretta 2025, S. X f. Abgerufen am 24. August 2026.
  17. Wolfgang Maurer: Musica practica im Internet. Weborientierte Angebote von digitalisierten Musiknoten für Wissenschaft und Praxis (Diplomarbeit, Hochschule der Medien Stuttgart). Stuttgart 2004, S. 56 f.
  18. „Wir versuchen Stücke aufzutreiben, die noch in Archiven und Bibliotheken schlummern.“, in: Wienke Leiprecht: www.noten-umsonst.de. Zwei Dirigenten aus Oberbayern wollen deutsche Musiker mit kostenlosem „Handwerkszeug“ versorgen, In: Süddeutsche Zeitung, 7. Januar 2002.
  19. Jörg Rieger: Würzburg auf dem Weltmarkt: Stretta-Music hat sich auf den Versand von Musikwerken spezialisiert. In: Mainpost. 21. Dezember 2021 (mainpost.de).
  20. Johan van Slagerens Arrangement von Happy Birthday! wurde auch von den Wiener Symphonikern aufgeführt. Werkdatenbank der Wiener Symphoniker
  21. Werke und Arrangements von Johan van Slageren bei Stretta Music. Abgerufen am 24. August 2026.
  22. Homepage zum Musical „O.T.“ Abgerufen am 24. August 2026.
  23. Homepage zum Musical „O.T.“ Abgerufen am 24. August 2026.
  24. Werke von Johan van Slageren beim Verlag Stretta Music. Abgerufen am 24. August 2026.

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