Jerome L. Singer (* 6. Februar 1924 in New York City; † 14. Dezember 2019 in New Haven (Connecticut)) war ein US-amerikanischer klinischer Psychologe und emer

Jerome L. Singer (* 6. Februar 1924 in New York City; † 14. Dezember 2019 in New Haven (Connecticut)) war ein US-amerikanischer klinischer Psychologe und emeritierter Professor für Psychologie an der Yale School of Medicine der Yale University.[1][2]
Er wurde als Sohn von Abraham und Yetta Singer geboren und ist in Brighton Beach im Stadtbezirk Brooklyn von New York City aufgewachsen. Mit 16 Jahren begann er sein Studium am City College of New York und erwarb hier einen Bachelor-Abschluss in Psychologie. Von 1943 bis 1946 diente er beim 441. Counter Intelligence Corps im asiatisch-pazifischen Raum. Als Spezialagent im Bereich der Spionageabwehr gehörten zu seinen Aufgaben die Untersuchung von Verbrechen, Unfällen, Sabotageakten, Aufruhr, Spionage und subversiven Aktivitäten. Er stieg zum Staff Sergeant auf und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Philippine Liberation Ribbon mit Stern.
Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst studierte er Klinische Psychologie an der University of Pennsylvania und schloss sein Studium 1951 mit der Promotion zum Ph.D. ab. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum zertifizierten Psychoanalytiker am William Alanson White Institute of Psychiatry, Psychoanalysis and Psychology (WAWI) und führte er eine Vollzeitpraxis in New York City. Parallel dazu bekleidete er verschiedene Teilzeitstellen in der Forschung. 1963 wurde er als ordentlicher Professor und Leiter des Ausbildungsprogramms für Klinische Psychologie an die City University of New York berufen. 1972 wechselte er an die Yale University und übernahm hier die Leitung der Ausbildung in Klinischer Psychologie. Gemeinsam mit seiner Frau Dorothy G. Singer leitete er über 30 Jahre lang das Forschungs- und Beratungszentrum für Familienfernsehen der Universität. An der Yale University wurde er 2006 emeritiert.
In seinen Werken befasst er sich mit den Themen Imagination, Phantasie, Bildsprache und Psychotherapie. Am Anfang seiner Karriere an der City University of New York arbeitete er mit seinem Mitarbeiter John Antrobus an experimentellen Studien zum Tagträumen sowie zum Bewusstseinsstrom und erforschte die „entkoppelte Aufmerksamkeit“. Mit ihm entwickelte er auch das Imaginal Processes Inventory (IPI) bzw. das Short Imaginal Processes Inventory, mit denen drei Hauptstile des Tagträumens unterschieden werden: Positiv-konstruktives Tagträumen, Schuld-Dysphorisches Tagträumen und mangelnde Aufmerksamkeitskontrolle.[3][4] Neurowissenschaftliche Bildgebungsstudien stützten Singers These, dass Tagträumen der Normalzustand des menschlichen Geistes ist.[5][6] Er wird auch als der „Vater des Tagträumens“ bezeichnet.[7] In seinen Studien konnte er zeigen, dass Tagträumen ein weit verbreiteter, normaler Aspekt menschlicher Erfahrung ist und sich äußerst positiv und konstruktiv auf das soziale und kreative Funktionieren auswirken kann. Zu einer Zeit, zu der Tagträumen als pathologisch galt, wies Singer es als einen allgegenwärtigen Aspekt menschlicher Erfahrung nach, der positive soziale und kreative Funktionen erfüllte.
Ein Großteil seiner Arbeit konzentrierte sich auf die entscheidende Bedeutung des fantasievollen Spiels und dessen Rolle für die kognitive, emotionale, soziale und körperliche Entwicklung. Er stellte fest, dass kindliches Tagträumen erstmals im Alter von etwa zwei Jahren auftritt und sich aus dem frühen Rollenspiel entwickelt. Kinder entwickeln diese Tagträume, indem sie auf Erfahrungen im Umgang mit Erwachsenen und deren Nachahmung sowie auf Geschichten zurückgreifen, die ihnen vorgelesen, erzählt oder in Büchern, Filmen und im Fernsehen präsentiert werden. Diese frühen, spielbezogenen Tagträume – insbesondere positive, die sich auf Glück und Erfolg konzentrieren – können Kreativität und Problemlösungsfähigkeit fördern und es Kindern ermöglichen, wichtige Lebenskompetenzen zu üben, die sich später im Erwachsenenalter auszahlen. Zu einer Zeit, in der die meisten Menschen Tagträumen als Ablenkung betrachteten, die man unterbinden sollte, zeigte Singer, dass diese privaten Gedanken ein natürlicher Bestandteil der mentalen Prozesse von Kindern und Erwachsenen sind.
In vielen Studien brachten er und seine Frau ihre Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Massenmedien auf das kindliche Spiel zum Ausdruck. Sie beobachteten, wie bestimmte Filme, Fernsehsendungen und Videospiele einen Großteil der kindlichen Kreativität beim Erfinden von Welten und Geschichten durch kulturelle Produkte ersetzten. Dennoch sahen sie Fernsehen und Videospiele nicht grundsätzlich als problematisch an. Vielmehr argumentierten sie, dass die Reaktionen von Kindern auf solche Medien von verschiedenen Faktoren abhingen, darunter die Qualität der Inhalte, die konsumierte Menge und ob Bezugspersonen den Kindern halfen, das Konsumierte zu verarbeiten, indem sie mit ihnen darüber sprachen. In seinem mit Dorothy herausgegebenen Werk Handbook of Children and the Media werden die sozialen und kognitiven Auswirkungen neuer Medien wie Facebook, Twitter, YouTube, Skype, iPads und Mobiltelefone sowie deren Nutzung durch Kinder untersucht. Die Autoren zeigen darin, wie Kinder Fernsehen, neue Technologien und andere elektronische Medien nutzen, Freude daran haben, daraus lernen und welche Vor- und Nachteile sich aus der regelmäßigen Nutzung ergeben. Als Gegenpol zu einem übermäßigen Medienkonsum stellen sie in dem Ratgeber Make-Believe: Games and Activities for Imaginative Play: Games & Activities for Imaginative Play zahlreiche Aktivitäten und Spiele dar, mit denen Eltern, Erzieher und andere Erwachsene die Fantasie und Spielfreude von Kindern anregen können.
Ab 1949 war er 67 Jahre lang mit Dorothy G. Singer verheiratet; sie verstarb vor ihm im Jahr 2016. Das Ehepaar bekam die Söhne Jon, Bruce und Jefferson. Während seiner Zeit an der Yale University arbeiteten er mit Dorothy eng zusammen, die als Entwicklungspsychologin und leitende Wissenschaftlerin ebenfalls an der Yale University tätig war. Gemeinsam leiteten sie über 30 Jahre lang das Forschungs- und Beratungszentrum für Familienfernsehen der Yale University (Yale Family Television Research and Consultation Center), das zahlreiche einflussreiche Kindersendungen beriet, darunter Mister Rogers’ Neighborhood oder Barney und seine Freunde. Er selbst spielte Klavier, liebte Oper, Vogelbeobachtung, Baseball und Reisen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Singer, Jerome L. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer klinischer Psychologe und Professor |
| GEBURTSDATUM | 6. Februar 1924 |
| GEBURTSORT | New York City |
| STERBEDATUM | 14. Dezember 2019 |
| STERBEORT | New Haven (Connecticut) |
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