Indien Indien
Der Indian Multi Role Helicopter (IMRH) ist ein mittelschwerer Transporthubschrauber, der von Hindustan Aeronautics Limited (HAL) für die indischen Streitkräfte entwickelt wird. Er ist für vielfältige Einsatzzwecke konzipiert, darunter Luftlandungseinsätze, Luftangriffe, U-Boot-Abwehr, Oberflächenkampf, Militärtransporte und VIP-Transporte. Der IMRH/DBMRH soll alle derzeit bei den indischen Streitkräften im Einsatz befindlichen Mil Mi-17-Hubschrauber ersetzen.[1]
Von dem IMRH wird außerdem eine parallele Marinevariante geben, die als „Deck-Based Multirole Helicopter“ (DBMRH) bezeichnet wird.[2]
In den späten 2000er Jahren begann der indische Luft- und Raumfahrthersteller Hindustan Aeronautics Limited (HAL), der daran interessiert war, sein Angebot an Hubschraubern über das bestehende Dhruv Programm hinaus zu erweitern. Das Potenzial für die Produktion eines konzeptionellen Hubschraubers der 10-Tonnen-Klasse zu untersuchen. Dieses Konzept wurde als „Medium Lift Helicopter“ (MLH) bekannt.[3] Sollte der 10-Tonnen-MLH in Produktion gehen, würde er als größter Hubschrauber gelten, der jemals in Indien hergestellt wurde. Schon früh wurde erkannt, dass das Modell in erster Linie an militärische Kunden, insbesondere die indischen Streitkräfte, vermarktet werden sollte und dass das vorläufige Programm erheblich von der Einbindung eines ausländischen Herstellers im Rahmen einer Partnerschaft profitieren würde.[4]
Im September 2008 äußerte sich der HAL-Vorstandsvorsitzender Ashok Baweja zu den Zielen des Unternehmens hinsichtlich des MLH wie folgt:
„We plan to develop and build 10-tonne class helicopters in partnership with either the Eurocopter or the Russians… This would be a joint venture between the selected company and HAL“ deutsch: „Wir planen, Hubschrauber der 10-Tonnen-Klasse in Zusammenarbeit entweder mit Eurocopter oder mit den Russen zu entwickeln und zu bauen … Dies wäre ein Joint Venture zwischen dem ausgewählten Unternehmen und HAL.“.[4]
Zu diesem Zeitpunkt gab es öffentliche Schätzungen, wonach rund 350 Hubschrauber der 10-Tonnen-Klasse produziert werden sollten, was vom militärischen Markt für mittelschwere Transporthubschrauber abhängig war. HAL war zudem sehr daran interessiert, das Potenzial für Exportverkäufe des MLH auszuloten. Wobei man sich bewusst war, dass die Aussichten hierfür in hohem Maße von der Wahl des ausländischen Partners abhingen, der an dem Programm teilnehmen sollte. Er erklärte außerdem, dass HAL beabsichtige, den 10-Tonnen-MLH der indischen Marine anzubieten, um deren festgelegten Bedarf an einer Flotte von Schwerlasthubschraubern zu decken.[4]
In den späten 2000er Jahren veröffentlichte HAL eine offizielle Ausschreibung, in der die verschiedene Hubschrauberhersteller aus aller Welt, zur gemeinsamen Entwicklung des MLH aufgefordert wurden.[5] Im Juli 2009 soll HAL jedoch die laufende Ausschreibung für die gemeinsame Entwicklung des Hubschraubers zurückgezogen haben. Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl Eurocopter als auch Mil Helicopters in die engere Auswahl als potenzielle Technologie- und Investitionspartner aufgenommen worden. Angeblich teilte HAL den beiden Unternehmen mit, dass die Ausschreibung eingestellt worden sei, da sich die qualitativen Anforderungen der Streitkräfte erheblich geändert hätten. Bei einem nationalen Seminar im Dezember 2014 hielt der Chef-Testpilot von HAL, Wing Commander Unnikrishna Pillai, einen Vortrag über die konstruktiven Herausforderungen bei der Entwicklung von mittelschweren und schweren Transporthubschraubern in Indien. Er erklärte, dass das Rotary Wing Research and Design Centre (RWR&DC) von HAL auf der Grundlage der in früheren Projekten gewonnenen Erfahrungen nun zuversichtlich sei und gut aufgestellt sei, mittelschwere Transporthubschrauber zu entwickeln.[6]
Anfang 2017 hat HAL Berichten zufolge sein MLH-Konzept neu aufgelegt und strebt nun die Produktion eines 12 Tonnen schweren, der mit zwei Turbinen angetriebenen Mehrzweckhubschraubers an. Für das Programm wurde zudem ein neuer Projektname eingeführt: „Indian Multi-Role Helicopter“ (IMRH). Der IMRH wurde für die Durchführung verschiedener Einsätze konzipiert:[7]
Er soll in der Lage sein, in Höhen von bis zu 20.000 Fuß zu fliegen und dabei entweder maximal 24 Personen oder eine Nutzlast von 3500 kg zu transportieren. Nach Angaben von HAL kann der geplante Hubschrauber doppelt so viel Nutzlast befördern wie der derzeit eingesetzte leichte Hubschrauber Dhruv, der zur 5-Tonnen-Klasse gehört. Ein HAL-Vertreter erklärte, dass die indische Armee schätzungsweise bis zu 400 Hubschrauber der MLH Klasse benötigen werde.[8]
Bis 2017 sind insgesamt vier verschiedene Versionen des IMRH geplant, darunter eine für den maritimen Einsatz angepasste Variante und ein zivil ausgerichtetes Modell, für das HAL eine zivile Zulassung anstrebt.[9]
Im Februar 2017 wurde auf der Aero India 2017 ein Modell des IMRH in Originalgröße der Öffentlichkeit präsentiert.[10] Laut einem Sprecher von HAL basierte das Modell weitgehend auf dem bestehenden russischen Mil Mi-17.[3] Zu diesem Zeitpunkt rechnete HAL damit, dass der Erstflug des Hubschraubers im Laufe des Jahres 2019 stattfinden würde. Allerdings stand die Entscheidung über den Triebwerkstyp für den IMRH noch aus. Ebenso sind die Feinheiten des Hubschraubers noch nicht vollständig definiert und sollen erst nach Erhalt der Spezifikationen von den vorgesehenen Nutzern endgültig festgelegt werden. Zudem wurde davon ausgegangen, dass die Abnahmeprüfungen durch die Betreiber etwa 7–8 Jahre vor der Indienststellung dauern würden. Im Februar 2017 befand sich der MLH-Vorschlag noch in der Konzeptphase. Er musste noch vom HAL Vorstand genehmigt werden. Dementsprechend hatten die formellen Konstruktionsarbeiten zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen.[7] Die für diesen Typ vorgesehenen Triebwerke standen noch nicht fest, während der Hubschrauber mit einem automatischen Flugsteuerungssystem, modernen Missionssystemen, fortschrittlichen Cockpitdisplays und weiterer zeitgemäßer Avionik ausgestattet werden soll.
Derzeit ist HAL dabei, in Tumakuru einen großen Hubschrauber Produktionskomplex im Wert von 600 Crore Rupien (ca. 54 Millionen Euro) zu errichten. Dieser soll das Zentrum der schnell wachsenden Hubschraubersparte des Unternehmens bilden. Die Anfangsinvestition belief sich auf 2000 Crore Rupien (258 Millionen Euro) bei einer jährlichen Produktionskapazität von 30 Hubschraubern ab dem Geschäftsjahr 2019–20. In einer vierjährigen Phase-II-Ausbaustufe soll die Produktionsrate später auf 60 Einheiten erhöht werden. Während die HAL-Hubschrauberfabrik ursprünglich für die Produktion des HAL Light Utility Helicopter (LUH) vorgesehen war. Wird das Portfolio des Werks um den Light Combat Helicopter (LCH) und den Indian Multi Role Helicopter (IMRH) erweitert. Das Werk wird zudem die Wartung, Reparatur und Überholung (MRO) des zivilen ALH, des LCH und des LUH übernehmen. Das 2,49 km² große Werk, das Berichten zufolge das größte in Indien ist, wurde am 6. Februar 2023 von Narendra Modi eingeweiht. Eine weitere dritte Ausbauphase war geplant, um jährlich 90 Hubschrauber der 3–15-Tonnen-Klasse zu liefern.[11][12][13]
Im Mai 2017 versandte HAL Informationsanfragen (ROIs) zu verschiedenen Komponenten des indischen Mehrzweckhubschraubers (IMRH). Die Anfragen betrafen die Turbinen sowie Unterstützung bei der Entwicklung eines Blattklappmechanismus und externe Begutachtungen des Fahrwerks und des Getriebes des Hubschraubers. Das Fahrwerk soll einziehbar sein und über ein aktives Lenksystem sowie eine Selbstzentrierungsfunktion verfügen, während die Triebwerke importiert werden sollen. Sie sollen mit zweikanaligen FADEC-Steuerungen (Full Authority Digital Electronic Controls) ausgestattet sein und überdurchschnittliche Leistungen in großen Höhen erbringen können. Sowohl der Haupt- als auch der Heckrotor sollen aus Verbundwerkstoffen gefertigt und mit radarabsorbierenden sowie infrarotbeständigen Lackierungen versehen werden.[9]
Am 5. August 2019 wurde berichtet, dass das Verfahren zur Einholung der behördlichen Genehmigungen für den Hubschrauber begonnen hat. Sobald das Projekt genehmigt ist, werden die Arbeiten in vollem Umfang anlaufen. Der Erstflug wird in zwei Jahren erwartet. Der Bedarf an solchen Hubschraubern liegt Berichten zufolge bei rund 550 Einheiten.[14]
Seit März 2021 werden maßstabsgetreuen Modelle getestet. Der Erstflug eines Prototyps in Originalgröße wird für das Jahr 2025 bzw. 2026 erwartet. Bevor das Modell planmäßig bei den Streitkräften in Dienst gestellt werden soll. Das Prototypenprogramm umfasst voraussichtlich sechs Prototypen und verfügt über ein Gesamtbudget von 10.000 Crore Rupien (864 Millionen Euro). Eine spezielle Version für die indische Marine wird mit größerer Reichweite, höherer Nutzlastkapazität und einer für maritime Einsätze ausgelegten Ausstattung weiterentwickelt. Bis zum 30. März 2022 hat HAL die vorläufigen Konstruktionsarbeiten abgeschlossen und ist bereit für die Prototypenentwicklung.[15][16][17]
Im Juli 2021 schloss sich die indische Marine offiziell dem Projekt an, wobei eine für den Marineeinsatz angepasste Version des Hubschraubers für Aufgaben der U-Boot- und Oberflächenkriegsführung vorgesehen ist. Da die Marinevariante im Gegensatz zu den Einsätzen der indischen Armee und der indischen Luftwaffe keine Einsätze in großer Höhe durchführen wird, wird sie über eine höhere Nutzlastkapazität und eine größere Reichweite verfügen. Es wird erwartet, dass die für den Marineeinsatz angepasste Version über spezielle Ausrüstung für diesen Einsatzzweck verfügen wird, darunter Sonar und Seescanner-Radar sowie ein maßgeschneidertes Cockpit.[2][18]
Laut den Informationen auf der offiziellen Website von HAL laufen derzeit (Stand: Juli 2025) die vorläufige Konzeption des IMRH-Programms sowie Konfigurationsstudien für den DBMRH. Ausgehend von einem geschätzten Bedarf von 419 Hubschraubern für alle drei Teilstreitkräfte, darunter 66 deckgestützte Versionen für die indische Marine, investierte HAL im Mai 2025 4000 Crore Rupien (363 Millionen Euro) in die Entwicklung und den Bau des IMRH.[19][20]
Im Juli 2025 hieß es in einem Bericht, dass HALL ein Schreiben an den Sicherheitsausschuss des Kabinetts (CCS) vorbereitet habe, um dessen Genehmigung für das Projekt im Wert von 13.000 Crore Rupien (1,12 Milliarden Euro) einzuholen.[21] Das Projekt umfasste den Bau von fünf Prototypen, darunter eine oder mehrere Marinevarianten. Während 30 % der Mittel intern von HAL aufgebracht werden, sollen die restlichen 70 % von der indischen Regierung bereitgestellt werden. Mit der Genehmigung durch den CCS wird das Projekt in die Umsetzungsphase eintreten. Bis dahin wurden die Pläne für ein SPV-Modell verworfen, da kein Unternehmen aus der Privatwirtschaft Interesse gezeigt hatte. Dieser Schritt wurde ebenfalls von der Regierung genehmigt.[22]
Der erste Prototyp des IMRH soll voraussichtlich seinen Rollout 2027 haben, 2027–28 fliegen und der Produktionsstart ist für 2030–31 geplant.[19][23]
Im Jahr 2021 wurden auf der Aero India Einzelheiten zum Projektfortschritt vorgestellt. Der Hubschrauber soll ein maximales Startgewicht von 13 Tonnen haben und je nach Konfiguration 24 bis 36 Personen an Bord befördern können. Der Hubschrauber wird über einen fünfblättrigen Hauptrotor mit einem Durchmesser von 21,2 Metern sowie einen vierblättrigen Heckrotor verfügen. Der IMRH wird zu 75 % aus einheimischen Komponenten bestehen, jedoch mit einem importierten 2000 kW Turbine ausgestattet sein.[24] Die Nutzlast beträgt auf Meereshöhe 4 Tonnen und in einer Höhe von 4000 m ungefähr 1,5 Tonnen.[25] Der Hubschrauber wird über zwei Stummelflügel verfügen, die vier Aufhängepunkte für bis zu 1600 Kilogramm an Bewaffnung bieten. Das Luftfahrzeug hat 2021 die vorläufige Entwurfsphase durchlaufen und erwartet die Genehmigung für die weitere Entwicklung bis Ende 2021 oder Anfang 2022. Der Erstflug wird voraussichtlich vier Jahre nach Beginn des Entwicklungsprojekts stattfinden, während die Einführung für 2028 geplant ist.[26]
HAL hat Gespräche mit Safran Helicopter Engines, einem französischen Triebwerkshersteller, über die gemeinsame Entwicklung und Fertigung des IMRH-Triebwerks im Rahmen einer strategischen Partnerschaft aufgenommen.[27] Am 8. Juli 2022 unterzeichnete HAL eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) mit Safran Helicopter Engines zur Gründung eines Joint Ventures. Welches sich der Entwicklung, Produktion, dem Vertrieb und dem Support der Hubschrauberturbine einer neuen Generation für den IMRH, einschließlich der Marinevariante, widmen wird.[28] Das Unternehmen wird zudem die Anforderungen zukünftiger Hubschrauberprojekte erfüllen, die von HAL und dem Verteidigungsministerium durchgeführt werden.[29] HAL wird nach Abschluss der Entwicklung, die drei Jahre dauern wird, die Musterzulassung für das Triebwerk erhalten.[30] Am 15. Februar 2023 unterzeichneten HAL und Safran eine Vereinbarung zur Arbeitsteilung für die gemeinsame Entwicklung des Triebwerks.[31] Im November 2023 gründeten HAL und Safran das Joint Venture Unternehmen SAFHAL Helicopter Engines.[32] Am 29. Dezember 2023 weihte Verteidigungsminister Giridhar Aramane eine neue Konstruktions- und Testanlage im HAL Aero Engine Research and Development Centre (AERDC) in Bengaluru ein.[33] Das AERDC wird für das im Rahmen des Joint Ventures für IMRH und DBMRH entwickelte Triebwerk verantwortlich sein.[34]
Im Juli 2024 wurde berichtet, dass ANETO–1H (Hindustan Variante) als Antrieb der IMRH Prototypen eingesetzt werden soll. Es soll ein Vertrag über 12 solcher Triebwerke für 6 Prototypen unterzeichnet werden. Die Triebwerke sollen innerhalb eines Zeitraums von 24 bis 36 Monaten nach Vertragsunterzeichnung geliefert werden. Die Triebwerke werden an das „Rotary Wing Research and Design Centre“ (RWRDC) von HAL geliefert.[35]
Am 30. August 2024 ging HAL eine Partnerschaft mit SAFHAL Helicopter Engines Pvt. Ltd. ein, einem Joint Venture zwischen Hindustan Aeronautics Limited und Safran Helicopter Engines, um Aravalli Triebwerke für IMRH und DBMRH zu entwickeln. Das Triebwerk ist nach dem Aravalligebirge in Westindien benannt.[36] Der Vertrag wurde von S. Anbuvelan, CEO (Helicopter Complex) bei HAL, sowie von Olivier Savin, Direktor bei SAFHAL Helicopter Engines und EVP für Vertrieb und Marketing bei Safran Helicopter Engines, und SK Mehta, Direktor bei SAFHAL Helicopter Engines und Executive Director (Finanzen) bei HAL, unterzeichnet.[37] Nach der Vertragsunterzeichnung rechnet HAL damit, dass die Triebwerksentwicklung mindestens 48 Monate dauern wird und das Projekt voraussichtlich 60 Monate bis zur Fertigstellung in Anspruch nehmen wird.[38][39]
Für die Entwicklung des Triebwerks sollen bis zu 6000 Crore Rupien (536 Millionen Euro) aufgewendet werden. Es wird davon ausgegangen, dass das erste Triebwerk im Jahr 2029 vom Band laufen wird. Anschließend wird ein gründlicher Zertifizierungsprozess durchgeführt, um sicherzustellen, dass das Triebwerk mit der IMRH-Plattform für Testzwecke und die weitere Produktion kompatibel ist.[19]
Vorläufig, da die Maschine sich noch in der Entwicklung befindet.[40]
| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Besatzung | 2 |
| Passagiere | 24–36 voll ausgerüstete Soldaten oder 4500 kg Fracht |
| Rumpflänge | 25,16 m |
| Rotordurchmesser | 21,20 m |
| Höhe | 6,22 m |
| max. Startmasse | 13.000 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 275 km/h |
| Reisegeschwindigkeit | 260 km/h |
| Dienstgipfelhöhe | 6.700 m |
| Einsatzreichweite | 500 km (bei normaler Startmasse) |
| Triebwerke | 2 × Turbine SAFHAL Aravalli mit jeweils 2.983 kW (4.000 PS) |
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