FANET (englisch Flying Ad-hoc Network, deutsch: Fliegendes Ad-hoc-Netzwerk) ist ein drahtloses Ad-hoc-Netz für die Freiflugsportarten Gleitschirmfliegen und Dr
FANET (englisch Flying Ad-hoc Network, deutsch: Fliegendes Ad-hoc-Netzwerk) ist ein drahtloses Ad-hoc-Netz für die Freiflugsportarten Gleitschirmfliegen und Drachenfliegen. Das quelloffene System ermöglicht die automatische Vernetzung von mobilen Fluggeräten untereinander sowie mit ortsfesten Bodenstationen.[1] Piloten können über FANET flug- und sicherheitsrelevante Informationen wie Positionsdaten, Wetterdaten und Luftrauminformationen in Echtzeit austauschen, unabhängig von Mobilfunknetzen.[2]
FANET nutzt die LoRa-Funktechnik im SRD-Band im Bereich um 868 MHz und ermöglicht eine Peer-to-Peer-Kommunikation mit Reichweiten von typisch 10 km bis 250 km bei optimalen Bedingungen.[3][4] Das Netzwerk bildet sich automatisch, sobald sich mindestens zwei kompatible Geräte in Funkreichweite befinden. Ortsfeste Bodenstationen dienen als Relais für größere Distanzen und als Schnittstelle zum Internet.
Die Weiterentwicklung FANET+ kombiniert FANET mit einem FLARM-Sender und macht Gleitschirme und Drachen auch für Segelflugzeuge und die allgemeine Luftfahrt elektronisch sichtbar.[5] FANET+-Module werden von mehreren Herstellern wie Naviter, Skytraxx und XC Tracer in ihre Fluginstrumente integriert.[6]
FANET wurde als Open-Source-Projekt für die Freiflug-Community entwickelt. Der Quellcode ist auf GitHub öffentlich verfügbar.[7] Anders als proprietäre Systeme ist FANET lizenzfrei und erfordert keine kostenpflichtige Registrierung oder jährliche Aktualisierung.
Die kommerzielle Implementierung FANET+ wurde von der Firma Skytraxx entwickelt und wird seit 2016 in verschiedenen Fluginstrumenten eingesetzt.[8]
FANET bildet ein selbstorganisierendes Vermaschtes Netz. Ortsfeste Bodenstationen fungieren als Relais-Stationen und erweitern die Reichweite, indem sie Daten zwischen Geräten weiterleiten, die nicht in direktem Funkkontakt stehen. Zudem dienen sie als Gateway zum Internet für Online-Tracking-Dienste.[9]
Luftgestütztes Tracking: In der Luft sendet jedes FANET-Gerät etwa alle 5 Sekunden (ca. 12 Updates pro Minute) ein Positionspaket aus, wobei die Frequenz von der Anzahl anderer Geräte in Reichweite abhängt.[4] Die Pakete enthalten:
Bodengestütztes Tracking: Am Boden senden Geräte modifizierte Positionsmeldungen mit reduziertem Informationsgehalt, etwa zur Anzeige des Status "Gut gelandet".[4]
Textnachrichten: Piloten können vordefinierte oder kurze Textnachrichten versenden, beispielsweise Landemeldungen oder Statusmitteilungen.[4]
Meteorologische Daten: Bodenstationen und Wetterstationen können Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Böen, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck übermitteln. Diese Informationen werden etwa alle 40 Sekunden gesendet.[4]
Thermik-Informationen: Fliegende Instrumente können thermische Aufwinde melden, einschließlich Position, Basishöhe, Steigwert und Windverhältnisse in der Thermik.[4]
Luftraum- und Gefahreninformationen: FANET unterstützt die Übermittlung von Luftraumbeschränkungen, Startplatz- und Landeplatzinformationen, Lee-Zonen, Hindernissen und anderen Landmarken.[9] Diese experimentelle Funktion befindet sich in der Weiterentwicklung.
FANET ermöglicht die Anzeige anderer Piloten auf dem Instrument, einschließlich deren Höhe, Steiggeschwindigkeit und Richtung. Dies erleichtert das Teamfliegen, die Orientierung in unbekannten Gebieten und das Auffinden von Thermik.[5] Private Gruppen können gebildet werden, um bei hoher Teilnehmerzahl nur ausgewählte Geräte anzuzeigen.[8]
FANET+ ist eine Hardwareimplementierung, die FANET- und FLARM-Funktionalität in einem Modul kombiniert.[5] Während FANET der Kommunikation innerhalb der Freiflug-Community dient, ermöglicht FLARM die elektronische Sichtbarkeit für Segelflugzeuge und die allgemeine Luftfahrt.
Bei FANET+-Geräten dient die FLARM-Komponente als reiner Sender (Beacon-Only-Funktion) und sendet Positionsdaten aus, damit FLARM-ausgestattete Flugzeuge das Gleitschirmgerät wahrnehmen können.[8] Die FLARM- und FANET-Adressen werden synchronisiert: Das höchstwertige Byte der FLARM-Adresse entspricht der FANET-Hersteller-ID, die restlichen Bytes der FANET-Benutzer-ID.[7] Für die FLARM-Funktionalität ist ein PPS-Signal (Pulse per Second) vom GPS-Modul erforderlich.[7]
Seit 2025 ist die FLARM-Lizenz dauerhaft gültig und muss nicht mehr jährlich erneuert werden.[8]
Als optionale Erweiterung ermöglicht "aware FLARM" (verfügbar ab Skytraxx 4.0 und 5) nicht nur das Senden, sondern auch den Empfang von FLARM-Signalen anderer Fluggeräte. Diese werden in Echtzeit auf dem Display dargestellt, was das Situationsbewusstsein erhöht und frühzeitiges Erkennen potenzieller Konflikte ermöglicht.[8]
ADS-L (Automatic Dependent Surveillance – Light) ist eine vereinfachte Version von ADS-B. Als optionale Funktion für FANET+-Geräte sendet ADS-L automatisch Positionsdaten, um das Gleitschirmgerät für professionelle Flugzeuge und andere ADS-B-empfangende Geräte sichtbar zu machen.[8]
Diese Funktion ist im Kontext des U-Space relevant, dem europäischen Luftraumsystem für die Integration von Drohnen. U-Space ermöglicht durch Technologien wie ADS-L und FLARM die sichere Koexistenz von Drohnen und bemannten Fluggeräten im niedrigen Luftraum.[8]
FANET+-fähige Instrumente können vor Luftfahrthindernissen wie Seilbahnen, Stromkabeln und anderen Hindernissen warnen. Die Daten stammen aus OpenStreetMap oder nationalen Datenbanken und werden über Plattformen wie XContest bezogen.[8]
Die Geräte gleichen gespeicherte Luftraumdaten kontinuierlich mit der aktuellen GNSS-Position ab und warnen bei Annäherung an gesperrte Lufträume oder Wildschutzzonen. Bei Einflug in einen gesperrten Luftraum zeigt das Instrument den schnellsten Ausflugweg an.[8]
FANET kann mit dem Open Glider Network (OGN) kombiniert werden, einem dezentralisierten Netzwerk aus freiwilligen Bodenstationen, die Daten von FLARM- und ADS-B-ausgestatteten Flugzeugen empfangen und an Internetserver weiterleiten.[6]
Piloten können ihre FANET+/FLARM-Geräte beim OGN registrieren, indem sie ihre 6-stellige FLARM-ID hinterlegen. Die Position ist dann auf der OGN-Website sichtbar. Eine Integration mit LiveTrack24 ermöglicht kostenloses Live-Tracking in Echtzeit.[8]
Durch die Internetverbindung können FANET+-Geräte als mobile OGN-Sender fungieren und Verkehrsinformationen auch in Gebieten ohne OGN-Bodenstationen übertragen.[6]
FANET-Bodenstationen werden zunehmend an Fluggebieten installiert, beispielsweise am Gaisberg bei Salzburg.[9] Die Firma Burnair bietet mit dem "SkyNet" eine kommerzielle Bodenstation auf FANET-Basis an.
FANET+-Module sind im Gleitschirmfliegen verbreitet. Alle seit 2016 von Skytraxx in der Schweiz ausgelieferten Instrumente sind mit FANET+FLARM ausgerüstet.[8] Weitere Hersteller wie Naviter und XC Tracer integrieren die Technologie in ihre Produkte.
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