Disentis/Mustér (deutsch Disentis [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}ˈdisəntis], rätoromanisch Mustérⓘ/? [muˈʃteː]; seit 1963 offiziell Di
| Disentis/Mustér | |
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| Staat: | |
| Kanton: | |
| Region: | Surselva |
| BFS-Nr.: | 3982 |
| Postleitzahl: | 7180 Disentis/Mustér 7182 Cavardiras 7183 Mumpé Medel 7186 Segnas |
| UN/LOCODE: | CH DIS |
| Koordinaten: | 707938 / 173057 |
| Höhe: | 1130 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 956–3612 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 90,99 km²[2] |
| Einwohner: | 2104 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 23 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) |
17,5 % (31. Dezember 2024)[4] |
| Gemeindepräsident: | René Epp |
| Website: | www.disentis.ch |
Blick über Disentis/Mustér nach Nordosten
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| Lage der Gemeinde | |
Disentis/Mustér (deutsch Disentis [], rätoromanisch []; seit 1963 offiziell Disentis/Mustér geschrieben, zuvor ab 1943 Disentis/Mustèr[5]) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden. Sie liegt in der Region Surselva.

Der Ort findet sich erstmals 765 (Kopie von 1684) als Desertina bezeugt.[6]
Der im Deutschen übliche Name Disentis geht auf lateinisch dēsertum ‹Einöde, Einsamkeit› zurück, erweitert um das Ableitungssuffix -ina, -inu, und bedeutet damit etwa ‹in der Einöde, Einsamkeit gelegen›. Die in vielen Ortsnamen Graubündens vorkommende, auf den lateinischen Nominativ Singular zurückgehende Endung -s ist im Fall von Disentis zwar etymologisch unbegründet, zeigt aber, dass das -s im Deutschen als Namensuffix aufgefasst wurde.[6]
Das romanische Mustér stammt von lateinisch monastērium ‹Kloster›. Da das im Frühmittelalter gegründete Benediktinerkloster im Vorderrheintal das Kloster schlechthin war, verfestigte sich im Bündnerromanischen das Gattungswort mit der Bedeutung ‹Kloster› zu einem Ortsnamen.[6]
Der Wintersport- und Kurort liegt in der Cadi im oberen Teil der Surselva auf 1130 m ü. M. am Zusammenfluss des Rein da Medel mit dem Vorderrhein. Nach Süden steigt das Val Medel zum Lukmanierpass (1917 m ü. M.) an, der Vorderrhein fliesst vom Oberalppass (2044 m ü. M.) herab. Der Kantonshauptort Chur liegt talabwärts 60 Kilometer entfernt.
Nachbargemeinden sind Medel (Lucmagn), Sumvitg und Tujetsch im Kanton Graubünden, Glarus Süd im Kanton Glarus sowie Silenen im Kanton Uri.

Der Ortskern von Disentis liegt auf der Nordseite des Tals. Eine weite Terrasse, die sich südlich daran anschliesst, wird vom Rein d’Acletta durchschnitten. Er begrenzt das historische Dorf nach Süden, im Osten bildet der Wildbach Rein da Val Sogn Placi die Grenze.
Ein Grossteil des Gemeindegebiets gehört zum Hochgebirge. Eine Kette bestehend aus Piz Ault (3027 m ü. M.), dem Doppelgipfel Brichlig (2964 m ü. M.) und Piz Cavardiras (2959 m ü. M.), Piz Run (2914 m ü. M.), Piz Lumpegna (2819 m ü. M.) und Piz Alpetta (2764 m ü. M.) trennt das Vorderrheintal vom Brunnital (Seitental vom Maderanertal) im Nordwesten respektive vom Val Cavardiras im Norden. Nördlich davon steigt der Hauptkamm der Glarner Alpen zum Piz Git (3256 m ü. M.), zum Piz Cazarauls (3062 m ü. M.; Dreikantonseck zu den Kantonen Glarus und Uri
) und Tödi (Piz Russein, 3612 m ü. M.) an. Diese Region entwässert durchs Val Russein zum Vorderrhein.
Südlich vom Rhein erreicht das Gemeindegebiet im Südosten im Garvera (2385 m ü. M.) die höchste Erhebung. Im Südwesten steigt die Grenze nicht über die Waldgrenze am Piz Pazzola (2454 m ü. M.) an. Dazwischen liegt im Süden die Schlucht Ruinas des Rein da Medel, die das Vorderrheintal vom Val Medel trennt.
Der tiefste Punkt der Gemeinde – wie der Tödi ganz im Osten bei der Punt Russein – misst 969 m ü. M.[7]
Die südlichen Flanken des Piz Ault und Piz da Strem (2837 m ü. M.) sind touristisch als Skigebiet erschlossen. Eine Luftseilbahn führt von Disentis nach Caischavedra (1862 m ü. M.).
Zur Gemeinde gehören die Dörfer Segnas, Mumpé Tujetsch, Mumpé Medel, Acletta, Disla und Cavardiras.
Die einzelnen Fraktionen sind meist nicht mehr als ein Kilometer auseinander. Mumpé Medel und Cavardiras liegen südlich des Vorderheins im Südwesten auf 1305 m ü. M. respektive im Südosten auf 1134 m ü. M. Disla liegt ebenfalls östlich von Disentis unterhalb von Cavardiras am nördlichen Rheinufer. Acletta liegt westlich von Disentis auf 1277 m ü. M., Segnas etwas erhöht südwestlich davon auf 1333 m ü. M., Mumpé Tujetsch weiter südlich auf 1391 m ü. M.
Weitere kleine Weiler sind Madernal und Pardomat an der Grenze zu Sumvitg, Caprau an der Strasse nach Cavardiras, Faltscharidas oberhalb des östlichen Dorfeingangs, Clavaniev im Nordwesten sowie Peisel, Buretsch und Cuoz bei Segnas, Sax und Fontauna bei Acletta und Funs.[8]
Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 7,1 °C, wobei im Januar mit −1,1 °C die kältesten und im Juli mit 15,8 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 122 Frosttage und 29 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 23, während normalerweise ein bis zwei Hitzetage zu verzeichnen sind. Die MeteoSchweiz-Wetterstation liegt auf einer Höhe von 1197 m ü. M.
| Disentis/Mustér | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Disentis/Mustér
Quelle: MeteoSchweiz, Normalperiode 1991–2020[9]
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Auf dem Areal des Klosters wurden Siedlungsspuren aus der älteren Eisenzeit (6. Jahrhundert v. Chr.) gefunden.[10] Der Lukmanierpass als tiefster direkter Alpenübergang in der Schweiz und recht leicht passierbare Route war nachweislich schon zur Römerzeit und im Frühmittelalter begangen.[11]
Anfang des 8. Jahrhunderts errichtete der Mönch Sigisbert aus einem burgundischen Kloster eine Zelle in der unwirtlichen Landschaft, der «Desertina».[12] Dies gemäss der Legende, wahrscheinlich war die Gegend aber bereits vorher besiedelt. Der einheimische Rätier Placidus half ihm dabei, wurde aber auf Weisung des Landesherrn ermordet. Um 720/750 errichtete Bischof Ursicin über den Grabstätten der heiligen Sigisbert und Placidus ein Kloster nach den Regeln des heiligen Benedikt. 940 wurde das Kloster mit seinen wertvollen Kunstgegenständen von Sarazenen durch Brand zerstört (Deckengemälde in der Klosterkirche). Die nach der Flucht zurückkehrenden Mönche bauten die Abtei wieder auf. Ihre Hauptfunktion war dann die von «Hütern des Lukmanierpasses», über den die deutschen Kaiser Otto I., Heinrich II., Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) und Sigismund in ihre italienischen Reichsteile reisten. 1020 wurde der Konvent von Kaiser Heinrich II. an die bischöfliche Kirche von Brixen übertragen; die Verfügung wurde 1074 widerrufen und die Immunität des Klosters wiederhergestellt.[13] Es entstand der reichsunmittelbare Klosterstaat Cadi (Casa Dei – ‹Haus Gottes›), zu dem nicht nur das Gebiet von Brigels bis jenseits des Oberalppasses gehörte, sondern zeitweise auch Gebiete in der Lombardei. Der Disentiser Abt wurde Reichsfürst. Die Fürstäbte wirkten bei der Gründung des Grauen Bundes und des Kantons Graubünden mit, wodurch sie allerdings ihre Machtstellung einbüssten. Das Kloster blieb kultureller Mittelpunkt von Graubünden.
Ende des 17. Jahrhunderts entstand im barocken Baustil eine neue Klosteranlage und 1696 bis 1712 die Klosterkirche Sankt Martin mit Doppelturmfassade nach Plänen von Caspar Moosbrugger. 1799 steckten französische Truppen das Dorf Disentis, Kloster und Kirche in Brand, nachdem sich die Einwohner gegen die Besatzer erhoben hatten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Klosteranlage umfassend restauriert, rund hundert Jahre später nochmals. Die letzte Restaurierung der Klosterkirche wurde 2019 beendet. Seit 1880 führt das Kloster ein Gymnasium mit Mönchen als Lehrkräften. Die weitere Gewährleistung der Anerkennung als zur Maturität führende Schule wurde Anfang der 1970er-Jahre an zwei Bedingungen geknüpft: Erstens die Zulassung von Mädchen und zweitens die Ergänzung des Lehrkörpers durch zivile Lehrpersonen.
Um 1750 errichtete Sebastian von Castelberg das Schloss Caschliun. Es brannte 1830 ab und verfiel anschliessend ganz.

Bis 2002 blieb Disentis/Mustér Gerichts- und Landsgemeindeort der Cadi, des oberen Teils des Bündner Oberlandes, der Surselva. Wie im Kanton Graubünden üblich, wurden die Kreiswahlen in einer Landsgemeinde abgehalten. Nach der Einführung des Frauenstimmrechts wurde 1973 die Beibehaltung dieser Tradition beschlossen.[14] Erst im Jahr 2000 wurde diese 600-jährige Tradition (wegen der Stimmen der anderen Kreisgemeinden) abgeschafft.[15]
| Jahr | 1850 | 1900 | 1950 | 2000 | 2010 | 2012 | 2014 | 2020 | 2024 |
| Einwohner | 1260 | 1359 | 2330 | 2172 | 2111 | 2045 | 2058 | 2010 | 2104 |
| Blasonierung: «In Blau silbernes (weisses) Andreaskreuz» | |
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Das Wappen der Gemeinde Disentis/Mustér zeigt das Andreaskreuz, ein Kreuz mit zwei diagonal verlaufenden sich kreuzenden Balken |
Aus der Lehrwerkstatt der Landis+Gyr aus den Siebzigerjahren entstand 1989 die Distec AG,[16] welche im Formen- und Metallbau tätig ist. Dort werden Präzisionsteile für die Aviatik, den Fahrzeugbau und die Industrie gefertigt.

Auf dem Areal des zerfallenen Schlosses Caschliun errichtete der Arzt Augustin Condrau 1877 das Hotel «Disentiser Hof», das ab 1909 die Radonquelle S. Placidus nutzte. Dadurch entwickelte sich ein erster Badetourismus, und Disentis wurde zum Kurort. Die Quelle ist inzwischen nicht mehr in Betrieb, da eine Lawine die Zubringerleitung 1984 zerstörte. Das alte Hotel wurde 1977 durch einen Neubau ersetzt.
Rund um Disentis/Mustér erstrecken sich über 180 km Wanderwege und 30 km Loipen für den Wintersport. Das auf knapp 3000 m ü. M. reichende Skigebiet wird unter dem Namen «Disentis 3000» durch die Bergbahnen Disentis AG betrieben. Seit 2019 besteht eine Anbindung an das Skigebiet Andermatt-Sedrun.[17]
Beim Campingplatz Fontanivas am Vorderrhein ist ein Badesee mit grossem Kinderspielplatz angelegt. Es besteht die Möglichkeit, Gold zu waschen.[18] 1980 wurde das Sportzentrum eröffnet.
Überregionale Resonanz hat das Anfang Juli jährliche Hochfest des Klostergründers der Benediktinerabtei in Disentis (Hochfest St. Placi) zu Ehren der heiligen Placidus und Sigisbert von Disentis.

In Disentis/Mustér gabelt sich die Hauptstrasse 19 aus Chur zum Lukmanierpass und zum Oberalppass. Ausserdem endet hier die Vorderrheinlinie der Rhätischen Bahn. Sie wird nach Westen über den Oberalppass von der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) weitergeführt. Der Bahnhof dient dem Lokwechsel bei den durchgehenden Glacier-Express-Zügen. Dieser ist notwendig, weil die RhB ohne Zahnrad fährt, die MGB jedoch abschnittweise mit Zahnrad.
Folgende Bahnlinien bedienen den Bahnhof Disentis/Mustér:
Halbstündlich versetzt zur Zugverbindung verkehrt ein Postauto zwischen Tujetsch via Disentis nach Ilanz, wo Anschluss nach Chur per Bahn besteht.[19]
Über den Lukmanierpass führt eine Postautolinie nach Biasca. Seit 2000 ist die Passstrasse auch im Winter offen, allerdings besteht die Postautoverbindung in den Süden nur im Sommer.[20]
Disentis/Mustér war 2017 Mitglied der Alpine Pearls, die sich für umweltfreundliche Mobilität im Alpenraum einsetzen.[21]
sowie
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