Boll liegt auf 646 m ü. NHN in einem Moränengelände westlich der Ablachniederung und rund 5,6 Kilometer westlich vom Hauptort Sauldorf entfernt. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 729 Hektar[A 1] (Stand: 31. Dezember 2010[1]) und grenzt an die beiden Landkreise Konstanz und Tuttlingen.
Im so genannten „Unterdorf“ vereinigen sich der von West nach Ost fließende Krummbach und der von Süd nach Nord fließende Espenbach.
Ortsgliederung
Zu Boll gehören das Dorf Boll, die Höfe Grünfleckerhof (1518, 1522 zum Grienflecken im Madach), Hudelhof, Ilgental, Katzenmaierhof, Kohllöffelhof, Riedhöfe (1183 Riedin, 1185 Riede), Steinbruchhöfe und Untermühle und die Häuser Ziegelhütte.[2]
Geschichte
Im Gewann „Schlichten“ befindet sich eine keltischeViereckschanze. Sie wurde 1836 durch den Bietinger Pfarrer Joseph Anton Eitenbenz beschrieben. Er hielt die Anlage mit einer Seitenlänge von 105 bis 123 Meter ursprünglich für die Reste eines römischenSommerlagers.[3][4]
Der Ort ist jedoch jüngeren Datums: Der Ortsname deutet auf eine Siedlung der frühmittelalterlichen Ausbauzeit hin. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde das Dorf als Bolli und im Jahr 1289 als Bol (Hügel oder Sonderbezirk einer Gemarkung) genannt. Die später im Dorf bestehende Burg Boll ist für die Mitte des 13. Jahrhunderts durch Albert von Bolle (1241–1254) und die Brüder Heinrich und Albert von Bolle (1261) belegt. Da Albert von Bolle 1241 als „advocatus“ bezeichnet wurde, dürfte er Burg und Dorf zu Lehen getragen haben.[2]
Hatte Boll am 6. Juni 1961 noch 415 Einwohner, so waren es am 21. November 2013 exakt 416.[1]
Religion
Das katholische Patronat gehörte den Herren von Heudorf, durch die es mit Schloss und Dorf an Fürstenberg gelangte. Die Pfarrei wurde später von Schwandorf versorgt. Evangelische Christen gehören Meßkirch an.
Politik
Wappen
Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Boll zeigt in gespaltenem Schild vorne in Rot drei schräge Heuliecher übereinander, hinten von Blau und Silber geteilt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Im Gasthaus Schwanen befinden sich verbaute Reste der Burg Boll, einer spätmittelalterlichen Wasserburg. Das Schloss, ein einfacher dreiteiliger Bau des 16./17. Jahrhunderts, war bereits im 19. Jahrhundert durch landwirtschaftliche Nutzung entstellt.
Den geistigen Mittelpunkt des Dorfes bildet die katholische Kirche St. Silvester. Eine Kirche wurde schon Anfang des 13. Jahrhunderts erwähnt, St. Silvester 1494. Der heutige Bau stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts, der Turm noch vom Ausgang des Mittelalters.
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Einzelnachweise
↑ abAngaben nach Lothar Goreth, Einwohnermelde- und Standesamt der Gemeinde Sauldorf, vom 11. Januar 2011.
↑ abcSauldorf in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 823–827
↑Joseph Anton Eitenbenz: Römische Niederlassung bei Meßkirch. Konstanz 1836 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass…. In: Südkurier vom 30. November 2011
Thomas Kluger: Sauldorf: mit seinen Ortsteilen Bietingen, Boll, Krumbach, Rast und Wasser im Wandel der Zeit, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1995, ISBN 3-89570-096-7
Kurt-Erich Maier, Johann Schäfer: Sauldorf: Geschichte der Gemeinde Sauldorf und ihrer Ortsteile Bietingen, Boll, Krumbach, Rast, Sauldorf und Wasser, mit besonderer Berücksichtigung des 18. bis 19. Jahrhunderts. Gemeindeverwaltung, 1984