Batima war ein belgisches Konstruktionsspielzeug, das Anfang der 1920er Jahre von Louis Cousin erfunden wurde. Die aus dem Kasein-Kunststoff Galalith gefertigte
Batima war ein belgisches Konstruktionsspielzeug, das Anfang der 1920er Jahre von Louis Cousin erfunden wurde. Die aus dem Kasein-Kunststoff Galalith gefertigten Bausteine gelten als eines der frühesten Noppenbaustein-Systeme und damit als Vorläufer moderner Klemmbausteine.[1][2]

Der Belgier Louis Cousin meldete die Batima-Bausteine 1923 in Belgien zum Patent an; 1924 folgten Anmeldungen in Frankreich (Patent FR 588 985) und im Vereinigten Königreich (Patent GB 217 243).[1][2][3]
1954 erweiterte das belgische Unternehmen Nazaire Beeusaert, bis dahin vor allem für Tiere aus Pappmaché und kleine, vornehmlich militärische Figuren bekannt, sein Spielwarensortiment und übernahm Fertigung und Vertrieb der Batima-Bausteine. Gegen die aufkommende Konkurrenz moderner Kunststoffbausteine konnten sich die Galalith-Steine jedoch nicht behaupten; 1959 stellte Beeusaert Produktion und Verkauf ein.[1][2]
Die Steine besaßen an der Oberseite Noppen und an der Unterseite passende Löcher. Die Noppen verjüngten sich leicht kegelförmig nach oben und dienten ausschließlich der horizontalen Stabilisierung – eine Klemmkraft, wie sie spätere Klemmbausteine auszeichnet, besaßen die Batima-Steine nicht.[1]
Als Werkstoff diente Galalith, ein Duroplast aus Kasein und Formaldehyd. Cousin nannte den Werkstoff „Steinpappe“ und betonte in seiner Patentanmeldung, das Material sei nicht so schwer und kalt wie echter Stein, fühle sich weich und angenehm an und sei matt wie Ton. Die Steine konnten maschinell in einem thermoplastischen Verfahren geformt und anschließend im Formaldehydbad gehärtet werden.[1] Ein 2×4-Batima-Stein wiegt etwa das Zehnfache eines modernen 2×4-Lego-Steins.[2]
Das Sortiment umfasste Grundsteine in den Maßen 1×2, 2×2, 2×3 und 2×4 sowie Bögen, schräge Steine und zwei Brückensteine.[1][2] Frühe Baukästen wurden in Holzkisten (etwa 38 × 30 × 6 cm, rund 5 kg) mit Steinen in Blau, Gelb und Rot ausgeliefert; es gab vier verschiedene Kästen. Spätere Sets erschienen in bebilderten Pappschachteln, und es kamen graue und schwarze Steine hinzu. Für Fenster und Türen lagen bedruckte Karten aus dicker Pappe zum Einklemmen bei, für Treppenstufen und Fenstersimse kleine Holzteile mit Nut.[2] Eine Sammlung dokumentiert mindestens sieben nummerierte Batima-Baukästen (Sets 1 bis 7) mit zugehörigen Anleitungsheften.[4]
Nach Angaben mehrerer Sammler- und Antiquitätenhändlerquellen soll die ursprüngliche, von Cousin selbst vertriebene Batima-Serie – abweichend von der oben genannten Übernahme durch Beeusaert erst 1954 – bereits von etwa 1920 bis 1950 hergestellt worden sein, mutmaßlich in Ixelles (Elsene), einer Gemeinde der Region Brüssel-Hauptstadt. Diese Angaben sind bislang nicht durch Primärquellen (Handelsregister, Firmenarchiv) verifiziert und werden hier mit Vorbehalt wiedergegeben.[5] Als weiterführende Literatur wird in diesem Zusammenhang genannt: Paul Herman: Le jouet en Belgique. Editions Rossel, 1984 (noch nicht ausgewertet).
Batima gilt als das erste Bausteinsystem mit Noppen auf der Oberseite und entsprechenden Aussparungen auf der Unterseite und nimmt damit das Grundprinzip vorweg, das später von Systemen wie Bild-o-Brik, Kiddicraft und schließlich Lego weiterentwickelt und um die Klemmkraft ergänzt wurde.[1] Eine materielle Nachfolge fand jedoch nicht statt: Während Batima auf den duroplastischen Kunststoff Galalith setzte, verwendeten die Nachfolgesysteme Gummi (Bild-o-Brik, MiniBrix) oder thermoplastische Kunststoffe wie Celluloseacetat, Polystyrol und später ABS – erst deren Elastizität machte die für Klemmbausteine charakteristische Klemmkraft möglich.[1]
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