Die ersten Hinweise auf Vertreter der neuen Familie fanden sich 2018 bei Metagenomanalysen von Kathryn M. Kauffman, Natalya Yutin, Disa Bäckström und Kollegen.[3][4]
Bis zur offiziellen Bestätigung der Familie gelang es aber bereits, von einzelnen Vertretern TEM-Aufnahmen zu machen (siehe §Bildergalerie).[5][3]
Etymologie
Die Familie ist benannt nach der Figur des Autolykos (altgriechischΑὐτόλυκος, latinisiert Autolycus) aus der griechischen Mythologie, einem Meister der Diebesfertigkeit, der als schwer zu fangen galt.[5] Genauso schwer waren die Vertreter dieser Familie zu fassen, was ihre Entdeckung lange verzögert hatte, trotz ihrer ubiquitären Verbreitung[6] in den Ozeanen (siehe §Ökologie).[3]
Morphologie
Schemazeichnung eines Virions der Autolykiviridae im Querschnitt.[7]
Die Autolykiviridae gehören zu den zuvor schlecht untersuchten nicht-taxonomischen Gruppe der Bakteriophagen ohne Kopf-Schwanz-Aufbau (d. h. nicht zu den Caudoviricetes), sind aber auch nicht filamentös (wie etwa die Tubulavirales). Sie zeigen ein isometrisches (gleichförmiges) ikosaedrischesKapsid. Seltene Aufnahmen zeigen eine Art Schwanz oder Röhrchen, ähnlich wie bei den Tectiviridae, wenn sie an der Zellmembran der Wirtszelle anliegen (d. h. zu Beginn der Infektion).[3]
Genom
Die Autolykiviridae haben ein lineares ssDNA-Genom (unsegmentiert, d. h. monopartit) mit einer Länge von grob 10 kbp (Kilobasenpaare).[5]
Proteom
Die Autolykiviridaekodieren neben dem DJR-MCP eine Verpackungs-ATPase (en. packaging ATPase, für die Assemblierung d. h. den Zusammenbau der Viruspartikel) der FtsK-HerA-Superfamilie (vgl. Monodnaviren, Yaravirus) sowie für eine DNA-Polymerase mit Protein-Primer, bezeichnet als pDNApol.
Diese Eigenschaften sind ähnlich wie bei der KlasseTectiliviricetes (in die sie früher klassifiziert wurden), das pDNApol unterscheidet sie aber von ihren nächsten Verwandten, den Corticoviridae. Sie enthalten wie Mitglieder der TectiliviricetesLipidmembranen in ihren Kapsiden, zudem sind wie bei den Tectiviridae terminale Proteine kovalent an ihr Genom gebunden.[5]
Wirte und Systematik
Die derzeit (Mitte 2021) bekannten Autolykiviridae wurden in küstennahen marinen heterotrophenBakterien der GattungVibrio (Vibrionen) isoliert.
Tests zeigten aber, dass einige Arten der Autolykiviridae in der Lage sind, sich in mindestens 6 verschiedenen Spezies der Bakterienfamilie Vibrionaceae zu replizieren.[5]
Die Systematik (Stand ICTV Mai/Juni 2024) und Wirte sind wie folgt[2][8][5] (auf NCBI sind derzeit (13. Juni 2021) die einzelnen Stämme noch jeweils eigenen provisorischen Spezies zugeordnet und nicht in die ICTV-bestätigten offiziellen Spezies gruppiert.[9]):
Spezies: Paulavirus viph1044o (sic!, richtiger wäre Livvievirus viph1044o, ehem. Gruppe D) – ursprünglich für die Gattung Paulavirus vorgeschlagen – isoliert auf Vibrio lentus und V. sp. F12
Obwohl die Autolykiviridae offenbar eine Schwesterfamilie der Corticoviridae darstellen, hat das ICTV die neue Familie nicht in deren Ordnung Vinavirales aufgenommen. Die Autolykiviridae verbleiben daher zunächst ohne Ordnungszuweisung, und die Corticoviridae monotypisch in ihrer Ordnung Vinavirales. Als provisorische Bezeichnung für eine beide Familien umfassende Klade wurde PM2-Gruppe (en. PM2 group) vorgeschlagen, benannt nach der Corticoviridae-Spezies Pseudoalteromonas-Phage PM2.[4]
Ökologie
Die Autolykiviren wurden als Hauptvernichter (en. principal killers) der marinen Vibrionaceen identifiziert, was auf einen viel größeren ökologischen Einfluss der schwanzlosen Bakteriophagen hinweist, als bisher angenommen.[4][6]
Bildergalerie
Offenbar gibt es zur Zeit (14. Juni 2021) noch keine gemeinfreien Bilder oder Schemazeichnungen von Autolykiviridae.
Eine Reihe von TEM-Aufnahmen und Genomkarten finden sich bei den folgenden Quellen:
Vorschlag an das ICTV, docx-Datei, Fig. 1a und b (Genomkarten der fünf 2021 bestätigten Spezies unter c)[5]
Kauffman et al. (2018), Fig. 1a und b, sowie Extended Data Fig. 1.[3]
David L. Chandler (2018), MIT News und Stanislav Mihulka (2018), OSEL.[6]
Ignacio-Espinoza und Fuhrmann (2018), Schemazeichnung in Fig. 1 (rechts) und Link mit TEM-Thumbnail.[10]
Dann Turner, Andrew M. Kropinski, Evelien M. Adriaenssens: A Roadmap for Genome-Based Phage Taxonomy. In: MDPI: Viruses, Band 13, Nr. 506, 18. März 2021; doi:10.3390/v13030506 (englisch).
Sari Mäntynen, Lotta-Riina Sundberg, Hanna M. Oksanen, Minna M. Poranen: Half a Century of Research on Membrane-Containing Bacteriophages: Bringing New Concepts to Modern Virology. In: MDPI: Viruses, Band 11, Nr. 76, 18. Januar 2019; doi:10.3390/v11010076 (englisch).
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Sari Mäntynen, Lotta-Riina Sundberg, Hanna M. Oksanen, Minna M. Poranen: Half a Century of Research on Membrane-Containing Bacteriophages: Bringing New Concepts to Modern Virology. In: MDPI. Viruses, Band 11, Nr. 76, 18. Januar 2019; doi:10.3390/v11010076 (englisch).
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