Anita Harding

Anita Elizabeth Harding (* 17. September 1952 in Birmingham, Irland; † 11. September 1995 in Reading, England) war eine irisch-britische Neurologin und Hoch

Anita Elizabeth Harding (* 17. September 1952 in Birmingham, Irland; † 11. September 1995 in Reading, England) war eine irisch-britische Neurologin und Hochschullehrerin. In Großbritannien war sie die erste Professorin für Klinische Neurologie und leitete die erste neurogenetische Forschungsgruppe am Institute of Neurology der University of London. Sie leistete Pionierarbeit bei der Erforschung der genetischen Grundlagen mitochondrialer Erkrankungen und entdeckte 1986 die ersten molekularen Anomalien des mitochondrialen Genoms.[1][2][3][4][5]

Leben und Werk

Harding besuchte die King Edward VI High School for Girls. Sie studierte an der medizinischen Fakultät des Royal Free Hospital und schloss ihr Medizinstudium 1975 ab. Ihre Ausbildung in klinischer Genetik absolvierte sie in Cedric Carters Abteilung am Institute of Child Health. Während eines Forschungsaufenthalts, den sie hauptsächlich in den Vereinigten Staaten verbrachte, erlernte sie die Techniken der Molekulargenetik. Anschließend ließ sie sich am Middlesex Hospital bei Roger Gilliat zur Neurologin ausbilden und wechselte 1982 an das University College London (UCL) in Queen Square. 1986 wurde sie zur Oberassistentin, 1988 zur Dozentin und zwei Jahre später zur Professorin für Klinische Neurologie ernannt. Im Oktober 1995, zwei Monate nachdem klar wurde, dass sie an Darmkrebs im Endstadium litt, sollte sie die Leitung der universitären Abteilung für klinische Neurologie übernehmen.[6]

Harding starb im September 1995 im Alter von 42 Jahren.

Forschung

Ihre Forschungsinteressen reichten von den genetischen Grundlagen der Friedreich-Ataxie, spät beginnenden zerebellären Ataxien und Vitamin-E-Mangel-Syndromen über die Erforschung hereditärer amyloidotischer Polyneuropathien bis hin zu metabolischen Enzephalomyopathien.

1985 gründete sie am UCL Institute of Neurology (UCLIN) am Queen Square in London die klinische Neurogenetik-Arbeitsgruppe, die erste ihrer Art in Großbritannien. Gemeinsam mit Ian Holt und John Morgan-Hughes entdeckte sie die erste Mitochondriale DNA-Mutation bei einer menschlichen Erkrankung und das Konzept der Gewebeheteroplasmie mutierter mitochondrialer DNA. Die Ergebnisse wurden bereits 1986 in der Zeitschrift Nature veröffentlicht.

Sie und ihre Kollegen identifizierten die genetischen Defekte bei einer Reihe Erkrankungen sowie bei den mitochondrialen Zytopathien, den Dystonien und den familiären Amyloidneuropathien. Sie identifizierte Trinukleotid-Wiederholungen bei degenerativen neurologischen Erkrankungen, z. B. bei der Huntington-Krankheit.

Sie gründete mit Mary Davis eines der größten Servicelabore für die molekulare Analyse neurogenetischer Erkrankungen in Großbritannien. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Neurologen Peter Kynaston „PK“ Thomas, war sie an der Gründung der European Neurological Society beteiligt.[7]

Sie veröffentlichte mehr als 150 begutachteten Fachartikeln, verfasste zahlreiche Übersichtsartikel sowie Buchbeiträge für mehr als 60 Lehrbücher. Sie fungierte als Herausgeberin oder Mitherausgeberin, darunter The Hereditary Ataxias and Related Disorders (1984), The Molecular Biology of Neurological Diseases (1988), Inherited Ataxias (1992) und Genetics in Neurology (1994). Sie gehörte den Herausgeberbeiräten zahlreicher internationaler Fachzeitschriften an und war aktives Mitglied in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften, darunter die European Neurological Society.[8]

Ehrungen

  • 1995 wurde Harding posthum mit der Medaille der Association of British Neurologists für ihre Beiträge zur Wissenschaft der Neurologie ausgezeichnet.[9]
  • 2025 wurde bekanntgegeben, dass im Rahmen eines Kunstprojekts das neue Neurowissenschaftsgebäude des UCL an das Leben und Werk von Anita Harding erinnert.[10]
  • Die Fachzeitschrift Nature benannte die für sie entwickelte Schriftart nach ihr.[11]
  • Anita Harding Memorial Lecture am UCL[12]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • mit S. R. Hammans, M. G. Sweeney, M. Brockington, G. G. Lennox, N. F. Lawton, C. R. Kennedy, J. A. Morgan-Hughes: The mitochondrial DNA transfer RNA(Lys)A-->G(8344) mutation and the syndrome of myoclonic epilepsy with ragged red fibres (MERRF). Relationship of clinical phenotype to proportion of mutant mitochondrial DNA. Brain. 1993, S. 617–632. doi:10.1093/brain/116.3.617.
  • mit I. J. Holt, J. A. Morgan-Hughes: Deletions of muscle mitochondrial DNA in patients with mitochondrial myopathies. Nature 331(6158), 1988, S. 717–719. doi:10.1038/331717a0.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Jam-H: Anita Harding 1952-95. In: Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry. Band 59, Nr. 6, 1. Dezember 1995, ISSN 0022-3050, S. 565–565, doi:10.1136/jnnp.59.6.565 (bmj.com [abgerufen am 4. Juli 2026]).
  2. admin: Five women artists shortlisted to create new memorial to Professor Anita Harding. Abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
  3. The Neurogenetics Lab | UCL Queen Square Institute of Neurology United Kingdom. Abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
  4. Anita Harding. Abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
  5. Sarah Lawson: Key breakthroughs at UCL Queen Square Institute of Neurology. Abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
  6. Anita Elizabeth Harding | RCP Museum. Abgerufen am 4. Juli 2026.
  7. Stephen Cummins: Remembering my first boss, the great Clinical Neurologist Anita Harding. In: UaaS. 27. Oktober 2020, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
  8. Client Challenge. doi:10.1007/BF01995695.pdf (springer.com [PDF; abgerufen am 4. Juli 2026]).
  9. Stephen Cummins: Remembering my first boss, the great Clinical Neurologist Anita Harding. In: UaaS. 27. Oktober 2020, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
  10. admin: Five women artists shortlisted to create new memorial to Professor Anita Harding. Abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
  11. Kelly Krause: The design decisions behind Nature’s new look. In: Nature. Band 574, Nr. 7779, 23. Oktober 2019, S. 476–477, doi:10.1038/d41586-019-03083-5 (nature.com [abgerufen am 4. Juli 2026]).
  12. admin: Sixth Anita Harding Memorial Lecture and Queen Square Inaugural Lecture. Abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).

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